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Donnerstag, 05 Dezember, 2019

Die Pest des Protestantismus

Bei diesem Text handelt es sich um Überlegungen, die ungewohnt sind. Der Text sollte korrespondiert werden. Es handelt sich um ein erstes überarbeites Fragment eines mehrseitigen Kapitels, das ich ggf. aus meinem noch unveröffentlichten Buch entfernen werde, falls nachvollziehbare Einwände und Kritik vorgetragen werden.

Mit der Ekklesia des Paulus haben die ersten Bürger das Evangelium der Synoptiker Matthäus, Lukas und Markus vertauscht; das sollte keiner merken. Seit dem 13. Jahrhundert haben sie sorgsam ihren Stoff vorbereitet, damit er wirkt. Er wirkte spät, dafür aber umso gewaltiger: Die Pest des Protestantismus brach mit Luther erst 300 Jahre später aus, dann aber wortgewaltig und rassistisch. Nach der Pest des Judentums, über die damals Erasmus von Rotterdam noch berichtet hatte und damit keinesfalls den Juden meinte, brach wieder eine Pestepidemie aus. Der Virus dieser Pest hat es in sich. Die Menschen, die gegen diesen Virus immun sind, werden immer weniger und immun sind meist die Menschen dort wo es noch Völker gibt. So meinte das Nietzsche, als er über den Götzen Staat berichtete; also sprach Zarathustra.

Um das alles zu verstehen müssen noch einmal die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen im 12. und 13. Jahrhundert studiert werden, die selbstverständlich heute nicht mehr zum Lehrstoff der Schulen gehören, sonst könnte eine andere Aufklärung in Gang kommen, die das Räsonieren über den Raub und den sich darin entwickelnden kapitalistischen Produktions- und Denkweisen ins Zentrum allen Bemühens des Erkennens stellt.

Dieser Stoff ist einfach und einleuchtend; dafür braucht man nicht erst erwachsen werden. Wenn aber zu früh gehört und die Neugierde noch voll die Ausbildung des Gehirns eines Menschen vorantreibt, ist er gefährlich. Verschließt in dieser Zeit besser den Kindern die Ohren. Erzählt ihnen von Thronen und Kronen, darüber braucht nicht deutlich gehört zu werden. Sie erinnern an die Märchenbücher, die ihnen früher vorgelesen wurden. Sie breiten die Kinder in der Schule auf eine Romantik vor, mit der es sich gut leben lässt. Die Noten sind klar, prüfbar und gut geordnet. Wundert euch aber nicht, wenn das Interesse dafür oft so gar nicht vorhanden ist; Kinder sind klug, solange sie nicht missbraucht werden.

Nicht die Vernunft, die seit jener Zeit sich vom Mythos der Religionen entledigt hat und gerade noch rechtzeitig halbiert werden konnte, dass sie als praktische Vernunft das gesittete Leben der Bürger nicht stört: als praktische Vernunft hat sie das quid pro quo, das erst den Raub unauffällig macht, in die Gesellschaft nach und nach eingebracht und heute alles diesem Prinzip unterworfen.

Diese Medizin musste den Menschen verordnet werden und vor allem denjenigen, die noch guten Willens waren, der dem freien Willen eines Erasmus entsprach und mit dem unfreien Willen eines Luther überhaupt nichts anfangen konnte. Sie sind noch heute erschrocken von dieser Bevormundung durch einen Glauben, der ihnen von neuen Herren nicht nur angetragen, sondern dem sie sich unterwerfen mussten. Ihr Seelenheil sei vorbestimmt, darüber ist nicht mehr zu reden. Das „mutuum date nihil inde sperantes“, dass bisher Rat und moralische Stütze ihres entbehrungsreichen Lebens war, sollte endgültig in Vergessenheit geraten. Vielerorts wurde es auch vergessen und heute würden die Politiker weiß Gott was dafür geben, wenn sie ihn endlich auch endgültig loswerden könnten, den Lukas, der nach Matthäus auch nicht mehr in ihre Zeit passt. Sie tun alles, damit wenigstens nicht mehr bei ihm gelesen wird und wenn, dann abgeschieden und leise, flüsternd gar: Keiner soll es hören. Die Gefahr ist latent, sie könnte eine neue Aufklärung begründen, die das Schlächtige, meist Abschlächtige, dessen Blut Luther gern am Halse trug und der sich auch öffentlich dazu bekannte, genauer untersucht, die erinnern lässt, dass die Bauern in einen letzten hoffnungslosen Krieg aufbrachen, als sie ihnen die Allmende wegnahmen und damit den letzten Rest freien Lebens abschafften.

Nur noch im Schweiße des Angesichts, freudlos, unfrei, dem Willen eines neuen Gottes unterworfen, den sie gestern noch gar nicht kannten und von dem ihr Pfarrer Müntzer noch ganz anders berichtet hatte. Thomas Müntzer hat die Liturgie geändert und sich zum Volk gewandt, eine Geste, die Luther bei ihm abgeschaut und zur Blasphemie herabgewürdigt hat. In diese neuen protestantischen Gotteshäuser, in denen es so düster zuging, wollten sie nicht hinein. Das Leben war draußen düster genug und die wenigen Freuden, die natürlich oft gegen die Worte des Herrn verstießen, konnten noch zu Lebzeiten verziehen werden: mit drei Ave-Maria und einem Vater-unser, wenn man Schlimmeres tat und gar kein Geld hatte; in der Beichte.

Die Zeit des römischen Pontifex endete. Im eigenen Staat, der deshalb aber kein Gottesstaat ist, konservierte er sich nachdem Napoleon am Ende als Sieger hervorging, Wollen wir die Überlegungen, wie dieser Planet jetzt noch gerettet werden kann ernsthaft weiterdenken, müssen wir zurück und beim Pontifex in Avignon nachschauen; eine Geschichte, die heute kaum mehr einer kennt und die uns nach Cuba führen wird.

Dort in Südfrankreich war der Boden noch bestellt. Unter dem Fürsten wurde er verwaltet, streng nach den Geboten des Herrn. Deshalb steht die Bulle Uncam Santan aus dem Jahr 1302 im Zentrum dieser Geschichte: Das Primat der geistlichen über die weltliche Macht. Ein Primat, das nicht geteilt werden durfte, das nicht geteilt werden kann, sonst wäre es kein Primat. Da wurde auch nicht verhandelt, das war kompromisslos, wie jede Bulle das Wort eines Pontifex ist.

Das ist lange her und zum besseren Verständnis muss dieser Zeit entgegengegangen werden mit Ereignissen, die verstanden werden können, weil noch lebendig und sehr wahrscheinlich wahr. Alle Dokumente zeugen davon, liegen vor und die, die es erlebt und gemacht haben, leben noch. Die Zeit des Mauerfalls ist Ausgangspunkt für die rückwärts angetretene Reise; diese Zeit kennen noch die Meisten. Das gesamte sozialistische System war zusammengebrochen und manche Mauerstücke, die mit Pickel ud Vorschlaghammer materiell und ideell zertrümmert wurden trafen Cuba hart, was nun wirklich nicht sofort verstanden werden kann weil Mauerstücke gar nicht soweit fliegen können. Aber wir sind längst gezwungen das anders zu betrachten und alles unter der weltweit errichteten Herrschaft des Rechts zu verstehen, was meist außer Acht gelassen wird: Es wurde schon darüber geschrieben: Das soll keiner merken! Aber nur so können wir die Losung des Commandante verstehen, die in Permanenz gilt: Vaterland oder Tod. Da ist keine Revolution mehr nötig ist, sie muss allein bewahrt werden. Dort in Cuba traf der Stein und doch beugte sich keiner. Das stimmt nicht ganz: Am 5. August 1994 rannten Einige auf die Straße. Kant nannte sie früh schon den Pöbel und deshalb sprechen wir vom kantischen Pöbel wenn wir diese Szenen meinen. "Filmt das, damit die Welt sieht, was in diesem Land passiert", so rief es ein Gehetzter in Havanna einem Kameraman der internationalen Presse zu, die ständig Cuba unter besondere Beobachtung hält. Dieses Ressort war von den Großen der Weltpresse immer besetzt und meist staatlich finanziert; da lauerte man. Einer Intervention der Mächte von außerhalb des Landes kam er persönlich zuvor; Fidel Castro lief selbst auf die Straße. Ungeschützt. Er sprach inmitten der Menge mit ihnen in seiner unverwechselbaren Art. Böse Stimmen behaupten, er hätte wie immer zu lange geredet, deshalb wären sie wieder nach Hause gegangen. Aber das wird anders gewesen sein denn sonst wären sie wiedergekommen, immer wieder; aber sie kamen nicht mehr und verstört schaut die Weltpresse seither nach Cuba.

An jenen Tagen des Mauerfalls spürten die Menschen in Cuba, was es bedeutet, das Copyright, das Lizensrecht, das es unmöglich macht, Medikamente im eigenen Land selbst herzustellen wo doch alle Substanzen bekannt sind. Die Menschen in Cuba mussten ihre Tagesrationen an Lebensmittel noch einmal kürzen, obwohl diese in all den Jahren zuvor schon sehr kurz waren. An Benzin war gar nicht mehr zu denken. Aber hier kam ihnen die Topografie ihres Landes entgegen; alles konnte letztlich dann doch noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Die Uhren gehen in diesem Land ohnehin ganz anders. Sie werden vom Leben getaktet und nicht von der Wirtschaft; man hat ja eh nichts, was nach Wohlstand aussieht: diesen lebt man. Jeder der es wissen wollte konnte es wissen: schwarz auf weiß und ganz im Sinne Goethes: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Sie trugen es nach Hause und waren froh über das Wenige, was ihnen schwarz auf weiß seit 3 Jahrzehnten zugesichert war, jetzt aber wegfiel. Der Zusammenbruch der Sowjetunion beendete das "mutuum date nihil inde sperantes" des Lukas. Ausgerechnet von einem gottloses Staat begründet und zwischen gottlosen Staaten verabredet spielte sich die Tragödie ab, die Dank des Wandels der Strategie des Commandante nicht zu einer Endzeittragödie sich weiter entwickelt hat: Er zog seine Uniform aus und ein weißes Hemd an. Natürlich ohne Kravatte, sonst wäre alles Verrat gewesen. Dass er zuletzt einen Adidas-Trainingsanzug trug wird seinen Feinden geschuldet sein; im Alter überwiegt dann doch die Ironie und man gönnt ihnen: die sehen Derartiges gern. Aber dieses Symbolische weist auch in eine Zukunft, die dann doch wenigstens einen kleinen Wohlstand gemeinsam mit Allen erhofft, der aber privater Natur sein soll und einem staatlich verordnetem Wohlstand die vorletzte Türe weist, bevor sich die letzte Türe öffnet.

Bevor der Weg rückwärts weiter gegangen wird, muss der Reisebegleiter etwas über sich sagen, damit wir wissen, mit welchen Augen und Ohren er unter uns ist. Er sieht und hört auf viele, die alles schon geschrieben haben und hier nur ausgewählt, keinesfalls aber erwählt wurden. Lesen wir bei Leo Kofler:

"Man mache sich nichts vor: Es gibt keine gesellschaftliche Freiheit ohne Freiheit für das Individuum, das nach Autonomie, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit strebt, und das, solange es menschliche Geschichte gibt, unter Freiheit die möglichste Freiheit von allen Schranken und Bindungen verstanden hat, versteht und verstehen wird. Im Vergleich zu den vorangegangen Gesellschaftsepochen stellt die bürgerliche Gesellschaft innerhalb der Klassengeschichte die letzte und höchste Form der Freiheit dar. Aber es ist ein Irrtum der bürgerlichen Ideologie, diese Form der Freiheit mit der absoluten Freiheit gleichzusetzen. Denn die bürgerliche Freiheit, die dem Individuum in weitgehendem Maße freie Bewegung gewährt, stellt gleichzeitig eine Form dar, die eine solche Freiheit nur vortäuscht, indem sie unter dem Schein der Freiheit die Weiterexistenz starker freiheitsbeschränkender Bindungen, d.h. wesentliche Elemente der Unfreiheit, nicht bloß zulässt, sondern geradezu voraussetzt. Der Widerspruchscharakter der bürgerlichen Freiheit ist Ausdruck des Widerspruchscharakters der bürgerlichen Klassengesellschaft überhaupt. Er liegt begründet in der Tatsache, dass einerseits in der bürgerlichen Gesellschaft das Individuum – jedes Individuum – als völlig autonomer und gleichberechtigter Warenbesitzer und damit als völlig autonomer und gleichberechtigter Vertragspartner auftritt, andererseits aber der einseitige, d.h. ganze Klassen ausschließende Besitz an den Produktionsmitteln gleichzeitig diese Autonomie und Gleichberechtigung der Individuen aufhebt. Der durch diese Tatsache ausgedrückte Widerspruch ist der Widerspruch zwischen dem bloß rechtlichen (formalen) und dem auf dem Besitz beruhenden faktischen (sozialen) Zustand in der bürgerlichen Gesellschaft.

Die Aufhebung des Widerspruchs zwischen der formalen Freiheit und der sozialen Unfreiheit bedeutet die Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft überhaupt. Sie ist innerhalb dieser Gesellschaft nicht möglich."

Oft wird deshalb ganz der hegelschen Dialektik folgend von der notwendigen Revolution geschrieben. Warum das Buch aber ein Ende der Revolutionen fordert, ist ohne Weiters nicht zu verstehen. Deshalb sollten wir den Weg gehen, um zu verstehen weshalb unser Begleiter zunächst von der Pest des Protestantismus schreibt und dann einen anderen Weg, jetzt wieder vorwärts, gehen will. Kommentare sind erwünscht; es soll kein Schweigemarsch werden.

(wird fortgesetzt)

Posted by Michael Schwegler at 10:56
Edited on: Freitag, 06 Dezember, 2019 19:05
Categories: Vorwort (Buch)

Montag, 02 Dezember, 2019

Zum Gelingen beitragen; (Fortsetzung zum Text: "Es wird nicht gelingen" vom 30.11.)

denn das destruktive Denken ist einfach, die Sache liegt vor und ist geronnen. Das konstruktive Denken indes ist schwer: die Sache verbirgt sich und überall lauern Gefahren; da gerinnt nichts und das Denken darüber verbietet jeden Zusatz, der das Gerinnen später beschleunigen könnte.

Ihr wollt das System ändern. Das System, das euch inzwischen nicht mehr gefällt, seit sie gesagt hat, dass das System der Grund ist, weshalb das Klima sich ändert. Das hat sie als 15jährige im polnischen Katovice gesagt. Das haben aber vor ihr schon Viele gesagt. Ihnen habt ihr nicht zugehört. Warum?

Jetzt endlich scheinen alle das System ändern zu wollen, Andere aber nicht. Das ist das aktuelle Problem.

Wer sind wir? Wer sind die Anderen? Warum sind wir nicht Alle? Der Klimawandel geht doch alle an? Solange das nicht klar ist werden die Anderen ihre Politik weiter diskutieren und Gesetze erlassen.

Wie aber können wir mit den Anderen zusammenkommen wenn die Zeit angesichts des Klimawandels drängt? Wir müssen mit den Anderen zusammenkommen, denn diese gestalten die Politik und sorgen für die Gesetze. Wir leben nun mal in diesem repräsentativen politischem System und das war und ist auch gut so.

Jetzt aber, nachdem der Klimawandel auch bei den ihrigen, den Politiker*innen zur Kenntnis genommen wird und sie sogar einen Klimanotstand ausgerufen haben, müssen wir unsere Gegensätze überwinden. Wir vernehmen doch, dass alles über eine Symbolpolitik nicht hinausgeht und auch nicht hinausgehen kann. Dafür sorgt das Recht, ihr Recht, das wir deshalb gemeinsam mit ihnen, den Anderen, ändern müssen.

Wir alle wissen, dass wir eine Minderheit sind und immer waren. Über die Gründe wurde bisher viel geschrieben und eine Diskussion darüber steht jetzt nicht an. Bei Wahlen der Repräsentanten des Systems steht keiner von uns zur Wahl; keiner, der das System ändern will. Deshalb können wir noch so oft eine Systemänderung fordern, da ändert sich deshalb nichts. Die Anderen haben eh gesagt, dass sie das System nicht ändern wollen und das sagen auch alle Repräsentanten. Das müssen sie auch, das steht im Grundgesetz. Also hören wir auf, daran rumzumäkeln. So retten wir das Klima nicht.

Aber das Klima ändert sich, das ist sicher. Es ist schrecklich, wenn ausgerechnet nur dieses sicher ist: Einerseits - Andererseits. Wegen den Anderen sind keine Änderungen zu erwarten.

Die Anderen haben recht; sie verlassen sich auf das Recht, das ihnen zu Diensten ist, das sogar geeignet ist, die Polizei zu rufen, wenn wir das anders wollen; am Ende auch die Panzer. Das geht also nicht. Hört auf, die Andern haben das Recht, das hätte jeder von uns wissen können und jeder vernünftige Mensch weiß das. Auch ihr wisst das. Trotz dieses Wissens amüsiert ihr die Anderen mit euren Kämpfen mit den ewig Gestrigen, den Enttäuschten, den Vielen, die überzeugt sind, dass sie allein wissen wo´s lang geht; wenn sie nur ihre Leute an den Schalthebeln der Macht hätten. Macht es wie ein Torero, wenn ihr einem von ihnen begegnet: Nehmt ein rotes Tuch, fürchtet euch nicht und… den Rest kennt ihr: Lasst ihn Leerlaufen, bis er erschöpft ist.

Da stehen wir nun, manche tragen noch Plaketten an ihren Hemden und Pullovern, die sie sogar wieder an die Kleidung ihrer Kinder heften, die doch noch gar nichts darüber wissen, gar nicht wissen können. Formt nicht ihre Münder. Andere halten sich immer noch an ihren Fahnen fest, die irgendwelchen Vereinen gehören, denn diese Organisationsform haben die Anderen uns zugewiesen, als sie ihr Recht formulierten. Da wird nichts, die haben eine Satzung. Wir könnten uns anders organisieren! Aber daran haben die Anderen gedacht und alle Schlupflöcher längst ausgemacht und verschlossen; so etwas ginge nur außerhalb ihres Rechtesystems und das sei verboten.

Damit sind wir aber wenigstens beim Kern der Sache. Die einzige Lösung im Rahmen und vor allem in der Achtung des Gesetzes bietet sich an: Wir müssen dafür sorgen, dass das Gesetz geändert wird. Eigentlich ist so etwas recht einfach wenn wir uns darüber alle einmal einig wären, dass wir es wollen, dass es notwendig ist. Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat so etwas gegolten. Immer wussten nur die Anderen wo es lang geht. Und sollten wir einmal anders als die Herrschenden weiter geblickt haben, wurden wir ausgeschaltet. Aber diese Zeiten liegen hinter uns.

Ab jetzt wäre es nicht mehr so wichtig ob die Anderen davon nichts halten, denn wenn wir auf einem gemeinsamen Weg fortschreiten, werden wir irgendwann erfahren wer wir und wer die Anderen sind: Prozentual und in Zahlen absolut. Dann erst wäre die Voraussetzung, aktiv und konzentriert gegen die Ursachen des Klimawandels vorzugehen, geschafft und nicht nur politisch für Lösungen zu werben.

Bliebe nur: Welches Gesetz?

Eine vernünftige Antwort außerhalb von denen, die bis heute vorliegen oder über die, welche aktuell weltweit diskutiert werden, machen Sinn, sind aber nicht in erster Linie der menschlichen Vernunft sondern wie bisher den Interessen einzelner geschuldet. Darüber hinaus vergessen diese sinnvollen Lösungen immer wieder dasselbe: Die Anderen haben ihren Rechtsstaat perfekt inzwischen verwirklicht, das kann nichts Sinnvolles etwas ändern, das wissen sie sogar selber.

Die Vernunft kann es. Nicht die bürgerliche und diesmal kann sogar Immanuel Kant, eine Autorität in Sachen bürgerlicher Vernunft, zu uns gezählt werden, worauf wir etwas stolz sein dürfen. Die Anderen wissen das noch nicht. Zu lange haben sie sich mit ihm nicht mehr beschäftigt und haben darauf vertraut, dass die Schergen des Naziregimes sich noch auf ihn berufen konnten und ihn damit als okkupiert für ihre Sache betrachten. Das dieses eine banale Nummer war hätten sie bei Hannah Arendt nachlesen können; aber bei Jüdinnen lesen fällt Manchem unter den Anderen immer noch schwer.

Mit zwei einfachen vernünftigen Fragen ergibt sich die fast zwangsläufig die Antwort auf die Frage welches Gesetz geändert werden muss.

1. Wem gehört die Erde? Wem gehört dieser Planet und alle die anderen Planeten, die wir kennen? So vernünftig die Frage ist so einfach ist die Antwort. Niemand braucht sie auszusprechen, nur Idioten wissen es nicht und die brauchen es auch nicht zu wissen; deshalb sind es doch Idioten.

2. Weshalb gibt es dann das Recht einzelner auf Privateigentum an Grund und Boden dieser Erde? Ab jetzt sprechen alle wieder in verschiedenen Sprachen. Hier ist kein Fortkommen mehr, hier nützt kein Appell: Die egoistischen Interessen werden sich in ihren Antworten nicht versöhnen. Der Krieg um den Boden durchzieht die Geschichte der Menschheit. Deshalb sagen die Anderen völlig zurecht: „Was soll diese zweite Frage. Es ist gut so. Die Menschen haben diese Frage bisher nicht beantworten können, weshalb sollten sie diese Fragen jetzt im Konsens miteinander beantworten können?“

Immerhin zeugt diese verständliche Frage der Anderen davon, dass auch sie genau wie wir vernünftig denken, dass sie menschlich denken, dass wir es deshalb gemeinsam schaffen können. Wir sind beim Schlüssel des Problems:

„Anderer, du hast gesagt, es sei alles gut so.“ Das erinnert an die Schöpfungsgeschichte der Christen. Da ist geschrieben, dass er euch alle Pflanzen, Bäume, Tiere auf Erden und alle Vögel unter dem Himmel und alles Gewürm, das auf Erden lebt, gegeben hat. Und es geschah so und es war gut. Jetzt, wo wir alle bedroht sind, sollten wir miteinander sprechen und uns zuhören. Wir alle sind uns wohl mit euch Anderen einig, dass er recht hatte und es so gut war; wir leben gemeinsam auf dieser Erde. Können wir uns gemeinsam wenigstens in diesem Punkt einig werden?

Falls hier Einigkeit herrscht und die kleinen Besonderheiten individueller Befindlichkeiten wenigsten jetzt einmal außer Acht gelassen werden, klärt alles weitere die gemeinsame Vernunft, die wir zum ersten Mal als menschliche Vernunft behaupten dürfen: Wir müssen gemeinsam die Schöpfung bewahren; und das hat mit ihm gar nichts zu tun. Es ist eine Sache der Menschen.

Gemeinsam beenden wir den seit Jahrtausenden währenden Streit um den Boden, denn der ist zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wegen des Klimawandels in Gefahr, dass der Boden nicht mehr für uns und für die Geschöpfe der Natur nutzbar ist. Die Ernten werden ausbleiben und die wenigen Flecken, in denen noch geerntet wird, werden privat sein und die Produkte werden teuer und nur die Wenigen nähren, bei denen all das wertlose Geld gebucht ist. Das haben sogar die Politiker inzwischen erkannt, die den Klimanotstand ausriefen. Gut, sie haben nicht alles erkannt, aber sie wollen erkennen. Trotz der Wenigen, die noch immer über einen Machtapparat verfügen und massenhaft jetzt mit Nebelkerzen werfen; diesmal haben sie sich abgrenzen können und ihn ausgerufen. Zwar brüllen die Wenigen jetzt erst recht und das Recht wird sie auch weiter bedienen; sie dürfen das und das ist auch gut so. Wir dürfen uns nie wieder fürchten.

Vieles, was jetzt getan werden müsste, was auch Politiker oft am Liebsten täten, scheitert schlicht am Recht auf Privateigentum an Boden. Auf diesem privaten Boden muss der Staat draußen bleiben und warten, bis es ein Gesetz gibt, dass ihm das Recht gibt, in das private Haus und in den privaten Grund einzutreten. Das ist gut so und darf auf keinen Fall geändert werden! Dies müssen wir als einen großen Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation der einzelnen Menschen verteidigen. Wir müssen immer unser Ohr an das Klopfen an die Türen als Mahnung erinnern, das manchmal zu hören war bevor sie das Haus der Juden, Kommunisten, der Sozialdemokraten und anderer missliebigen Menschen betraten, ohne sich um das Gesetz zu kümmern und sie abholten. Unsere Rechte gegenüber dem Staat müssen wir verteidigen. Darin sind wir uns mit den Anderen einig und nur die Wenigen haben was dagegen. Gemeinsam mit den Anderen werden wir sie ausgrenzen: Gemeinsam, wir und die Anderen, wollen diese Menschen nicht mehr unter uns wissen. Gemeinsam verteidigen wir diese Demokratie. Auch wir, obwohl wir nicht vergessen, dass es eine bürgerliche Demokratie ist: die Andere und ich.

Derart näher gekommen können wir gemeinsam besprechen, was eigentlich zu tun wäre. Jetzt werden uns sogar die Anderen sagen, dass Vieles nicht getan werden kann; der Schutz des Privateigentums an Boden verhindere Vernünftiges. Es würde ewig dauern auf dem Rechtsweg. Der private wie der öffentliche Eigentümer verfüge über eine mächtige Jurisprudenz, über Kanzleien, die millionenschwer zu Buche stehen. Da sei kein Durchkommen.

Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, an dem ein Vorschlag zu einer Gesetzesänderung auch zu den Anderen durchdringen könnte. Der Weg, wirksam dem drohenden Klimawandel zu begegnen könnte vertrauensvoll miteinander diskutiert werden. Mit der Herausnahme des Grund und Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, mit dem der Boden erst vor gut 200 Jahren privatisiert wurde, könnte diesmal aller Boden wie zu Urzeiten als herrenlos proklamiert werden. Das Recht versagt dem angeeigneten Boden künftig den Schutz des Staates. Aber diesmal würde es keine Revolution sein, die diese Gesetzesänderung schafft. Es wäre der Stimmzettel ausgefüllt von den Anderen und uns. Kein Mensch, der danach nicht das Nutzungsrecht über den herrenlosen Boden hat, könnte privat eine Änderung der Nutzung des Bodens durchführen, wenn er dafür nicht die Zustimmung anderer Menschen hat. Der Boden ist herrenlos, Sache der Natur und ein ewiglich geführter Krieg endet.

Bevor die Anderen wieder aufgeschreckt sich von uns trennen, müssen wir sie bitten, doch noch etwas zuzuhören: es sei alles anders als sie befürchten! Wir dürfen das gewonnene Vertrauen nicht mehr verlieren, wir müssen es ständig beweisen. Wir können über uns erzählen, das schafft Vertrauen.

Der Maulwurf lebt. Er musste sich verstecken und hat überlebt. Damals, mit der Bewegung der Katharer im 13. Jahrhundert konnte er noch mit all den anderen Geschöpfen der Natur mit den Menschen wandeln, aber jetzt ist er alt geworden. Zu oft musste er unter den Boden, auf dem sie ihr Reich errichteten. So hat er die Inquisition, Luthers Reformation, die Französische Revolution, die Erschießungen der Kommunarden von Paris und sogar das Grauen von Auschwitz überlebt. Aber bedenkt, auch er ist sterblich, wie alles Menschliche sterblich ist.

Drei Punkte sind wichtig:

1. Nichts ändert sich im ersten Moment für den Menschen. Jeder nutzt den Boden wir bisher. Versprochen und es werde Gesetz. Wie ein Pendel, das zur Ruhe gekommen ist, ist erst einmal alles in Ruhe; zumindest hierzulande. Das Pendel wird wieder angestoßen werden, aber wie wird sich zeigen. Die Verkehrsformen unter den Menschen werden sich ändern.

2. Am politischen System ändert sich nichts obwohl sich das System grundlegend geändert hat. Das muss nicht versprochen werden. Das ist so, das kann jeder sehen; nur das Gesetz hat sich geändert und nur ein Gesetz. Es ist einmalig in der Geschichte.

3. Jeder Mensch hat das Recht, das er nie zuvor in der Menschheitsgeschichte hatte: eine definierte Fläche des Bodens der Erde nutzt er fortan autonom.Weder der Staat noch ein Nachbar hat dort unerlaubten Zutritt. Dort lebt er selbstbestimmt mit nur einer Verpflichtung, er muss die Schöpfung auf diesem ihm überlassenen Boden der Erde bewahren. Die Exekutive des Staates ist gesetzlich angewiesen, die Autonomie des Einzelnen dort zu schützen. Einmalig in der Geschichte der Menschheit, dass die Waffe des Staates durch das Menschenrecht des Einzelnen direkt gelenkt wird.

Erhalten wir die Schöpfung.

Posted by Michael Schwegler at 6:37
Edited on: Dienstag, 03 Dezember, 2019 15:35
Categories: Aktuelles