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Sonntag, 29 Dezember, 2019

Das Fünfte Haus

Es ist ein neues Haus, das bisher noch nirgends errichtet wurde. Es kann neben den bestehenden Häusern gebaut werden, weist aber durch seine Architektur weit über die bestehenden Häuser hinaus. Der Übergang in eine herrenlose Landschaft würde keinesfalls das bestehende und durchaus bewährte politische System der Bundesrepublik Deutschland ändern. Die Überlegungen zu einem neuen System wurden verändert; es soll eine Republik bleiben. Denkbar allerding wäre der Ausnahmezustand, wenn diesen das Volk ausgerufen hat. Ein neuer Text wurde auch geschrieben. Mit welchem Recht werben die Menschen? Nicht umeinander, gegeneinander?

Posted by Michael Schwegler at 7:14
Edited on: Montag, 30 Dezember, 2019 8:49
Categories: Aktuelles

Dienstag, 24 Dezember, 2019

Absturz des Systems

nicht das politische System ist abgestürzt, sonder die Software "Thingamablog". Ich bitte um Nachsicht, wenn die Texte unter "Kategorien" seit dem 23.12.2019 nicht mehr dort aufzufinden sind, wo sie einmal plaziert waren. Das System "Thingamablog" ist vielleicht zu reparieren, das System "Politik" noch lange nicht.

Nur die Texte unter "BEFREITE GESELLSCHAFT" waren von diesem Systemabsturz nicht betroffen. Diese wurde auch nicht vom System verwaltet sondern vom Autor, händisch und autonom. Die Texte unter den "KATEGORIEN" sind durcheinander geraten.

Der Text 02.12, "Pest des Protestantismus", erscheint jetzt unter dem Eintrag "Vorwort (Buch)" und wie zuvor schon unter "TEXTE" 02.12. Es handelt sich um einen zentralen Text. Für die Leser*innen wird er ungewohnt, für Protestanten vielleicht auch abstoßend sein. Ich meine aber nicht den Protestanten - wie Erasmus von Rotterdam auch nicht den Juden meinte, als er von der Pest des Judentums schrieb. Es geht allein um die Ideologie dieser beiden Religionen. Luther, und 300 Jahre später Thomas Jefferson, hat mit der Glaubenslehre, dass Gott alles bestimmt habe, eine andere Ideologie vertreten als die bis dato unangefochtene Ideologie der katholischen Kirche. Jefferson hat diese protestantische Lehre noch einmal mit der Rasierklinge verschäft. Wie soll da eine Umkehr angesichts des dramatischen Klimawandels, der weiteren ungebrochenen Ausbeutung der Rohstoffe der Erde und die Verseuchung der Erde und der Meere mit Plastik gelingen?

23.12. : Der Text zu "Res publica oder Barbarei" wurde fortgeschrieben. Selbst am 1. Weihnachtsfeiertag sind Ergänzungen geschrieben worden. Sie sollen auch zur Frohbotschaft passen.

24.12. : Im Text "Über den Weg" wird im Link zu den Stühlen der Text aktuell erweitert: Die informellen Prozesse zwischen der US-Administration und der US-Richter müssen an das Tageslicht befördert werden. Edward Snodens Einkommensgrundlage, der Erlös aus dem Verkauf seine Autobiografie "Permanent Records" wurde gesperrt, er ist noch lange nicht in Sicherheit. Hier reift die Idee, einen Fond einzurichten, aus dem die Lebensmittel für die Aufklärer der Moderne finanziert werden. Aber bis es soweit ist muss geklärt werden, ob andere hier schon aktiv sind. Redundanzen sollten vermieden werden weil die Sicherung des Lebensunterhalts der Aufklärer sonst verwässert wird: Jeder soll wissen wo gelesen werden kann. Sehr wichtig bei derartigen Einrichtungen ist, dass die Bilanzen tagaktuell veröffentlicht werden, so dass der eigene finanzielle Beitrag gesehen und auch deutlich wird wo das Brot gekauft wird.

25.12.: Der Link zu Janusz Korczak wurde geändert. Der kurze Film "Die Steine weinten" ist Stoff der Hoffnung, von dem auch die Vision vom Ende der Revolutionen lebt. Dafür wurde auch am 26.12. der Text http://endederrevolutionen.de/docs/legende ergänzt. Zwei Vorträge bringen Janusz Korczak uns näher; ein Vortrag von Prof. Dr. Siegfried Zimmer über das Leben und ein Vortrag von Dr. Michael Kirchner über die Pädagogik von Janusz Korczak.

27.12.: Auf entsprechende Nachfragen wurde heute der Text zur Bodennutzung und Fragmente geschrieben.

29.12.: Biografisches

Posted by Michael Schwegler at 7:20
Edited on: Mittwoch, 01 Juli, 2020 19:39
Categories: Aktuelles

Kommentare

Kommentare bitte an mschwegler [at] endederrevolutionen.de senden. Sie werden hier veröffentlicht. Jeder Kommentar ist willkommen. Falls keine besonderen Hinweise bezüglich der Veröffentlichung des Kommentars gegeben werden, wird dieser nur mit einem Namenkürzel veröffentlicht und ggf. von mir kommentiert.

Die Überlegungen zu einer Gesellschaft der Freien und Gleichen orientieren sich an der Vorstellung des einfachen Menschen, dem die individuelle Freiheit trotz täglicher Maßregelung durch die gegebene bürgerliche Ordnung ein primäres Bedürfnis neben der Sicherung des Zugangs zu gesunder Nahrung sowie zu ordentlichen Wohnverhältnisse geblieben ist. Mit der individuellen Freiheit ist ausdrücklich nicht die egoistische Freiheit des Bürgers gemeint, die durch das geltende Gesetz unter dem besonderen Schutz des Staates steht. Das egoistische Recht des Bürgers ist die Ursache, dass die Freiheit der Menschen eine Utopie darstellt, solange dieses egoistische Recht Bestand hat.

In den westlichen Industrienationen ist die Knappheit an Gütern und Dienstleistungen längst überwunden. Die Überwindung der materiellen Knappheit, die den bürgerlich verfassten Gesellschaften in Konkurrenz mit sozialistischen Gesellschaften scheinbar besser gelungen ist, befördert längst eine neue Gefahr, die bisher in der Geschichte der Menschheit nicht denkbar war: Dass der Mensch das natürliche Gleichgewicht der Natur dermaßen stört, dass Klimaveränderungen eine Knappheit an materiellen Gütern erzeugt, denen der Mensch nicht mehr Herr werden kann.

Die Software "Thingamablog" wurde inzwischen auf meine Bedürfnisse angepasst. Der softwareeigene Link "Credits" wurde erst einmal in "Diskussionsforum" umbenannt; mehr nicht. Denn wie das in einem Rechtsstaat ist, der alle Beziehungen der Menschen untereinander dem Recht unterwirft, werde ich jetzt erst einmal beim Inhaber der Rechte nachfragen, ob ich seine Software für meine Bedürfnisse manipulieren darf. Meine Vision einer Welt der OpenSource Software unter einer General Public License (GPL) entwickelt sich, aber es dauert. Am Ende wird sich zwar auch die menschliche Vernunft eines Software-Pioniers wie Richard Stallmann durchsetzen, aber bis es soweit ist, müssen wir mit diesen proprietären Software-Produkten leben.

Zum Nachdenken: Weshalb wird die Steuersoftware für die Einspritzung fossiler Stoffe in die Verbrennungsmotoren der Autos nicht als Opensource - Software unter die GPL gestellt? In Konkurrenz miteinander würde sich ein Optimum der Einspritzung gemeinschaftlich verwirklichen lassen. Auch sei in diesem Zusammenhang an den Absturz des Flugs 004 der Lauda-Air mit über 200 Toten erinnert: Weshalb ist die Programmroutine zur Auslösung des Umkehrschubs der Düsentriebwerke als Steuerungssoftware nicht OpenSource? Vielleicht wäre der Programmierfehler, der zum Absturz der Maschine geführt hat, noch vor dem Absturz entdeckt worden.

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Posted by Michael Schwegler at 7:16
Categories: Kommentare

Neuer Faschismus, Neue Demokratie

Im Wagenbach-Verlag erschien im Jahr 1972 der Politikband 43 mit dem Titel "Neuer Faschismus, Neue Demokratie" eine Streitschrift über den Faschismus im Rechtsstaat. Die Autoren fassen ihre Aufsätze mit folgenden Sätzen zusammen:

Der neue Faschismus braucht keine aktive Massenbasis mehr, es genügt ihm die <schweigende Mehrheit>. Er bedient sich der Legalität: Er übernimmt den Staat von innen, nicht von außen. Wie dies heute in unserer postmodernen Zeit funktioniert, darüber wird derzeit und in Zukunft kleinschrittig berichtet.

Im selben Verlag schrieb Michela Murgia die Satire Faschist werden.

Vom ehemaligen italienischen Justizminister und Rechtsgelehrten Alfredo Rocco soll der Satz stammen, "die Verwirklichung eines Rechtsstaates wäre die Krönung des faschistischen Staates.

Oury Jalloh verbrannte im Jahr 2005 in Polizeigewahrsam. Hier der Eintrag bei Wikipedia . Es ist erschreckend: Der Ruf, Nie wieder Faschismus, darf nicht zur rituellen Floskel verkommen. Der Fall Oury Jalloh muss sehr ernst genommen werden.

Aber auch bei politischen Prozessen muss längst wieder genau hingeschaut werden. Noch werden die Prozessbeobachter in bürgerlich verfassten Staaten nicht ausgesucht und Berichte zu den Prozessen können von einer politisch bedeutungslos kleinen Gruppe von Menschenrechtsaktivisten für die Niederschrift des Zeitgeschehens noch wahrgenommen werden. Was wurde eigentlich über Rechtsstaatlichkeit bezüglich des konkreten Prozessgeschehens in der Verhandlung gegen die Geschwister Sophie und Hans Scholl und Christoph Probst berichtet? Bekannt ist, dass sich der Vorsitzende Richter Roland Freisler leidenschaftlich sich der politischen Sache im Prozess annahm und alle drei zum Tode verurteilte.

Die Richterin Vanessa Baraitser wird nicht aus Leidenschaft am 21.10.2019 den Vorsitz im vorgeschriebenen Anhörungstermin zur Festlegung des feststehenden Zeitplanes der Auslieferung von Julian Assange wahrgenommen; derartiges ist ihr Job. Das Ergebnis indess könnte sich im Wesentlichen am Ende nicht unterscheiden. Sie, wird man am Ende sagen, hätte nichts dafür können, dass der Angeklagte im Mutterland der Demokratie gequält wurde und auch nicht wenn Julian Assange ausgeliefert wird: Wie nachweislich berichtet wird gab sie sich doch noch nicht einmal den Anschein zuzuhören. Es waren rechtsstaatliche Gründe, die Julian Assanges zerstört haben.

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Posted by Michael Schwegler at 7:16
Categories: Hintergrund

Matthäus, (Mt 25,40)

Das Gleichnis vom Gericht des Menschensohnes über die Völker

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zur Linken. 34 Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! 35 Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; 36 ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? 38 Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? 39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

41 Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! 42 Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43 ich war fremd und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.

44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder fremd oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?

45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. 46 Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben.

Wozu dieser Text? Wenn Religion Opium für das Volk ist (Marx) so reiche man mir Opium angesichts des Zustands der Welt. Der Text widerspricht dem Paulus. Paulus war auch kein Evangelist, er war Apostel der Kirche. So auch das Dominium terrae des Alten Testaments, das im Neuen Testament keinen Platz mehr fand und nur noch von den bürgerlichen Götzendienern befördert wird. Es veträgt sich überhaupt nicht mit dem Evangelium des Matthäus. Um dies zu verstehen braucht man kein Christ zu sein; dieses versteht sich von selbst. Natürlich müssen wir zuvor bei beiden lesen.

Der Lehrfilm "Macht euch die Erde untertan" wäre ohne musikalische Untermalung und ohne die Mär von den Gesetzen der Natur im Zusammenhang mit ihrer Zerstörung wertvoll. So bleibt sein Warencharakter im Vordergrund: Ansehen, anfassen, weglegen und weglaufen. Die einfache Botschaft, die der Autor des Filmes vermutlich verkünden wollte bedarf all diesem nicht. Mehr noch: Jeder vernünftige Mensch kennt den Inhalt derartiger Filme, er hätte nicht gedreht werden müssen. Und es ist auch nicht der Mensch, der diesen Planeten plündert, Geschöpfe und Pflanzen ausrottet und mehr und mehr zerstört: Es ist eine relativ kleine Gruppe von Menschen, die sich seit ewig scheinenden Zeiten sich der Arbeit anderer Menschen bemächtigt und heute als Bürger einer sogenannten Wertegemeinschaft unter verschiedenen politischen Systemen sich mit Hilfe der Heere von Lohnarbeitern und der Ausbeutung der Natur bereichern. Der Beginn dieser allgemeinen Bereicherung kennzeichnet den Beginn der Moderne. Unter dem Schutz eines neuen Staates betreiben zunehmend mehr Menschen ihr Geschäft. Den neuen Staat hat ein aufgeklärtes Bürgertum an die Stelle der früheren Staaten der Fürsten gewaltsam gesetzt. Die große Mehrheit der Menschen wird von dieser inzwischen schwer bewaffneten Minderheit bedroht, die in ihrem engsten Kreis stets unter sich bleibt und sich im System ihres Staates organisieren. Das klingt nach Verschwörung, ist aber keineswegs eine: Das besorgt das bürgerliche Recht. Dafür musste das göttliche Recht weichen. Staatliche Lakaien traten an die Stelle der Inquisitoren. Sie bedrohen heute Menschen, wenn diese über ihr zerstörerisches Geschäftsmodell öffentlich berichten. Und wenn ein Berichterstatter darüberhinaus auch noch über ihre Manipulationsmethoden, über ihre öffentlichen Lügen und geheimen Absprachen aufklärt, dann schreiten sie unverholen zur Tat. Sie outen sich als Barbaren und schrecken nicht einmal mehr davor zurück solche Aufklärer auch zu töten. Giordano Bruno hätte auch in der Postmoderne besser seinen Mund halten und fernsehen müssen wie das Galileo Galilei getan hat. Den Mund hat er nicht gehalten aber ferngesehen hat er bis es zum Schwur kam: Die Wahrheit war bekanntlich für Galilei dann den Scheiterhaufen nicht wert. Wer also, Bruno oder Galilei? Legal wie seinerzeit die Inquisition den Scheiterhaufen empfahl empfehlen heute in manchen Ländern ihre Verfassungen die Todesstrafe; allein der Scheiterhaufen ist überall verschwunden. Nicht einmal Gott maßte sich ein derartiges Recht an: Du sollst nicht töten. Im Jahr 1600 nicht und auch nicht im Jahr 2019.

Posted by Michael Schwegler at 7:15
Edited on: Freitag, 15 Mai, 2020 18:34
Categories: Selbstverständliches

Extinction Rebell*innen

ihr seid aufgebrochen und mehr und mehr sind zu euch gestoßen, gemeinsam habt ihr Ortsgruppen gebildet; weltweit. Nicht aus freien Stücken, die Sorge treibt viele und viele haben einen triftigen, den selben Grund.

Nur noch Menschen, die empirisch erfasste Befunde über den Klimawandel so gar nicht deuten können, wollen ein "alles weiter so" und das auch nur wenn der Grund für sie günstig ausfällt. Die meisten Menschen machen sich darüber keine Gedanken; zwischen der Flut von Informationen tritt nur die Werbung ordentlich optimiert hervor, das Menschliche muss zurücktreten. Diejenigen, denen wir die Lebensmittel besorgen müssen kennen ohnehin nur ihren Weg und diese haben ihren Katechismus schon vor langer Zeit gegen das Bürgerliche Gesetzbuch eingetauscht. Sie fühlen sich wohl in einem Leben, das sie gerne als eine Form des "american way of life" betiteln obwohl sie in aller Regel dieses Leben gar nicht kennen. Sie genießen es im Kino und anderswo, keinesfalls aber zu Hause, denn das haben sie schon lange nicht mehr. Ihr Leben nützt, taugt aber nicht; vor allem nicht für ein harmonisches Leben mit Anderen gemeinsam auf diesem Planeten.

Die aber, die empirische Befunde zu Deuten verstehen, wissen, dass es eigentlich zu spät ist. Aber sie wollen nicht mehr länger nur diskutieren und zuschauen. Ihr bequemes Leben ist unbequem geworden und viele wissen gar nicht was sich eigentlich genau verändert hat. Vieles hat sich verändert. Aber wer ist schon dermaßen privilegiert Veränderungen wahrzunehmen und kann sie sogar studieren?

Aber auch ohne dieses Privileg nehmen sie inzwischen Veränderungen war. Sie verstehen weshalb Menschen alles riskieren um weg zu kommen aus Landschaften, die zunehmend verarmen, die kaum mehr bewohnbar sind. Verarmen an Allem: angefangen von sauberem Wasser, Bodenflächen, für die man noch nicht bezahlen muss, an Rechten, die nur andere haben. Irgendwann ist das Maß voll, da packte man das Wenige was noch blieb, besorgt sich das letzte Geld und bezahlt alles, notdürftig. Sie suchen und wollen doch nur das Letzte zurück, das nicht bezahlbar ist aber längst bezahlt werden muss: Würde. Doch dafür fehlt ihnen das Geld.

Auf der anderen Seite des Himmels wollt ihr handeln. Nicht Selbstsucht treibt euch. Aber es ist auch nicht klar was neben der fundamentalen Sorge um den Klimawandel euch treibt weil das Ziel nicht klar ist. Ihr sagt, dass das "selber essen macht satt" keinen Grund darstellt und ihr aus der Komfortzone heraustreten wollt, das toxische System gar in Frage stellt. Ihr beziffert jede eurer Visionen ausgerechnet von 1 bis 10, die aber deshalb doch noch keine Visionen sind und auch keinesfalls Gebote. Es sind Vorsätze, die kaum taugen, dass das Selbstverständliche, das jedem einfachen Menschen seit Urzeiten eigen ist, wieder hergestellt wird: Visionen auf Veränderungen, einer Kultur der Regeneration, der Reflexionen und des Lernens. Vor allem Letzteres wird längst staatlich verordnet, das sind Illusionen. Und das Gastrecht, das auch schon früher alle willkommen hieß und selbst dann galt, wenn die Krüge und der Brotkorb nur wenig gefüllt waren; es ist nichts Neues. Das haben die Katholiken, die dem Evangelisten Matthäus folgten auf dem Land schon immer gelebt. Das wurde nur vergessen, musste vergessen werden, damit der Markt der Konkurrenz, der sich inzwischen entwickelt hatte für die Bürger allerorts besorgt werden konnte. Dieser Markt entstand früh und kann genau datiert werden mit den Tagen, in denen die Allmenden den Bauern genommen wurden und sie gegen die Herren zum ersten Mal deshalb in einen hoffnungslosen Krieg zogen. Dort mussten sie sogar noch den Fluch des Augustinermönchs Martin Luther ertragen, wenn sie ihn noch hören mussten bevor sie die Lanze traf.

Ihr seid dabei die Fesseln der bürgerlichen protestantischen Tugenden abzulegen. Das Gehen ohne Fesseln aber muss erst wieder gelernt werden nachdem ihr die religiösen Fesseln auch abgeworfen habt. Das habt ihr auch bedacht: Es ist eure wirkliche Vision und derzeit die Einzige, die in die Zukunft zeigt. Ihretwegen bin ich bei euch: Ziffer 9, die Idee eines gewaltfreien Netzwerkes. Gerade der weitere Ausbau eures Netzwerkes wäre etwas wirklich tragfähiges, das den Gesellschaften, die sich über den Staat organisieren, als Vorbild entgegengestellt werden kann; das uns organisiert und geeignet sein könnte, den bürgerlichen Staat wieder aus den Köpfen zu treiben. (-> 2. Nachtrag). Ein wahrhaft menschliches Netzwerk, in dem weltweit sich die Menschen gegenseitig zuhören und ihre materiellen Grundlagen miteinander teilen. Es ist aber falsch wie ihr diese Vision kommuniziert. Wer weiß wie die Polizei seit vielen Jahrzehnten kaserniert ausgebildet wird kann euer anbiederndes Geschwätz kaum ertragen. Natürlich sind Polizist*innen Menschen wie du und ich, aber sie stehen unter einem Befehl. Wie immer werden sie knüppeln, gar totschlagen, wenn der Befehl gegeben wird. Karl-Heinz Kurras muss euch im Gedächnis bleiben auch wenn ihr damals noch gar nicht geboren ward. Er steht stellvertretend für jeden bestellten Mörder aus dem Umfeld der Polizei. Oury Jalloh lebte bereits unter euch; wie Benno Ohnesorg war er Mensch. Genauso wenig wie all jene vergessen werden dürfen die ihren Dienst bei der Polizei quittieren weil sie nachgedacht haben. Es geht im Kern doch auch nicht wirklich darum: Weshalb kommuniziert ihr diese Heucheleien? Wieder komme ich zurück auf den Evangelisten Matthäus. Es geht um die Wange, die auch mit der Linken geboten wird wenn der Andere zuschlagen muss. Das heißt aber nicht, dass der Andere frei gesprochen werden darf, ihm zuvor gar Blumen überreicht werden müssen. Er gehört nicht zu euch! Das Leben auf diesem Planeten ist nicht das Paradies.

Der krasse Gegensatz muss stets bewusst, muss kalkuliert werden; gewaltlos. Und so komme ich zur eigentlichen Sache: Die Wolken, die aufgezogen sind und eure Schatten aufgelöst haben.

Es muss klar sein, dass dieser Roger Hallam zunächst die Schatten und jetzt die Medien bedient hat. Die Medien wussten natürlich, dass viele Menschen mit diesem Virus des Selbstischen, der persönlichen Eitelkeit infiziert sind. Dieser Virus ist der Träger des bürgerlichen Lebensgefühls. Hier aber sind die Medien das Problem. Obwohl alle wussten, dass eines Tagen zumindest einer der Protagonisten von XR diesem Virus erliegen wird, schlugen sie zu ohne seine Krankheit zur Kenntnis zu nehmen. Sie beschützen ihn nicht wie sie euch nicht beschützen werden wenn die Sache ernst wird. Sie instrumentalisierten ihn, stellten ihn aus. Gut, dieser Herr Hallam ist ein menschenverachtender Mensch, einer der noch geistig bei den Gestrigen verblieben ist, von denen Hannah Arendt schon berichtet hat, als sie von der Banalität des Bösen sprach: Ein Mensch, der einen Satz vom "Rohr, durch das Gas in die Gaskammer fließt" in Kenntnis der Grauen von Auschwitz formuliert ist schwer krank und hätte beschützt werden müssen; ihn darf man keinesfalls auf eine öffentliche Bühne zerren, sonst macht man sich selber schuldig. Viel mehr schuldig als dieser armselige verlassene Mensch sich schuldig gemacht hat. Mit seinem menschenverachtenden Hilferuf, mit dem er die Mörder und Stiefellecker der früheren faschistischen Herren noch einmal anruft, obwohl diese längst tot sind, stimuliert er die Phantasien der Medien auf ein außerordentliches Geschäft. XR-Rebell*innen schweigt dazu, da ist nichts zu sagen.

Nutzt stattdessen diese aufziehenden Wolken, die alle Schatten vertreiben und der Verlust eurer Schatten diesmal nicht euch sondern diesen finsteren Wolken geschuldet ist zur Formulierung eines klaren Ziels wohin ihr wollt. Aber es genügt nicht nur etwas zu wollen: Vom bloßen Wollen ist noch keiner satt geworden sagte Ernst Bloch an solchen Stellen. Sein Prinzip Hoffnung ist doch das Einzige was uns noch trägt und deshalb sollten wir auf ihn hören. Es müssen jetzt die Wege gegangen und das Ziel benannt werden. Sonst kommt das Netzwerk XR ans Ende noch bevor die Richtung bestimmt worden ist.

Ihr sagt ihr verlasst die Komfortzone, wollt handeln nicht zuerst für euer Wohl sondern für das Wohl aller. Zum Schwur ist es noch nicht gekommen: Noch haltet ihr fest was ihr habt. Das ist verständlich, denn es ist schwer zu verzichten Erst recht wenn man nicht genau weiß wozu. Ihr seid auch nicht Glaubensschwestern und Glaubensbrüder; die Natur liegt euch am Herzen, ihre Bedrohung durch den ungebrochenen Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre. Ihr wollt nicht warten und falsifizieren kann eh keiner die empirischen Befunde, die euch treiben. Bedenkt aber: manch einer verzichtet nur weil er nichts hat. Das ehrt ihn nützt aber nichts: Es geht nicht um Neutralität. Wir müssen abgeben von dem was wir haben. Und jetzt wo die Schatten weg sind müsst ihr sagen wohin ihr wollt; besser was ihr wollt. Abgeben allein nützt ja nichts wenn die Anderen den Verbrennungskapitalismus weiter nicht nur betreiben sondern weiter ordentlich anheizen! Sie werden euch belächeln weil ihr als nützliche Idioten euch zu Helfern der Sozialsysteme dekratiert und helft dieses System der täglicher Ausbeutung und Niedertracht zu stabilisieren. Die Vermögenden werde euch danken und vielleicht sogar noch etwas zu euren Abgaben beisteuern; die lassen sich nicht lumpen.

Das alles ist aber kein Systemwandel, von dem die 15-jährige Greta Thunberg so klar gesprochen hat. "Ihr habt uns bisher nicht geholfen, ihr werdet uns auch künftig nicht helfen", und weil das so ist und ihr innerhalb des Systems nicht ändern könnt dann müsse eben das System geändert werden. Trotzdem betrat sie die politische Bühne. Sie ist jung. Ihr dürfen wir das nachsehen.

Euch ging eine Bewegung voraus, die sogenannte 68iger. Die Erkenntnis, dass damals ein Einzelner den Marsch durch die politischen Institutionen empfohlen hat und damit eine kleine aber immerhin überhaupt eine erste Chance nach dem verheerenden Krieg trotz vieler Warnungen so leichtfertig verspielt hat sollte eigentlich Warnung für euch genug sein: Macht nicht denselben Fehler. Meidet die politische Bühne. Diskutiert die Ursachen des Klimawandels und handelt.

Nachtrag: Zumindest für die XR-Ortsgruppe Hamburg-Harburg darf ich Auskunft geben: Sie handelt. Glaubte ich. Sie unterstützt nicht mehr ohne Wenn und Aber die Erklärung aus Freiburg. Denn es wurde doch noch eine Stimme laut, die verlangt, dass diese Erklärung nicht unterstützt wird. Das Ziel, die Rettung des Planeten, muss auf die Befindlichkeiten einzelner Rebell*innen natürlich achten und erst einmal hinten anstehen. Immerhin kommt dann die Revolution, von der Roger Hallan träumt, auch nicht voran. Der Klimawandel auf unserem Planeten kümmert sich aber nicht um derartige Kinderreien, er wird von Hardlinern erzeugt, mit denen ist in Sachen Klimawandel nicht zu spaßen.

2. Nachtrag: Die Zeit ist fortgeschritten, viel zu schnell und es muss gehofft werden, dass der Klimawandel nicht ebenso schnell nachzieht. Diesen Punkt 3 der ExtinctionRebellen, ich gestehe, ich habe ihn übersehen. Ich habe in den Prinzipien gelesen; die Forderungen habe ich außer Acht gelassen. Die erste Forderung: Sag die Wahrheit, hatte ich noch gelesen, daran erinnere ich mich. Sie reichte mir um ein Vorurteil zu bilden: Kinder sind´s. Aber ich lerne gerne von und mit Kindern, freue mich, wenn die Freude der Kinder bis ins Alter lebendig bleibt. Deshalb war das nicht wichtig und schon gar nicht verdächtig. Jetzt aber, ins Gerede gekommen und öffentlich verhandelt, las ich weiter und muss mich korrigieren, gar entschuldigen. "Den bürgerlichen Staat aus den Köpfen zu treiben", gleichzeitig aber jenseits von Wahlen und aktiver Bürgerbeteiligungen Experten exekutive Macht zu verleihen das hatten wir schon: In autoritären korporativen Systemen. Aus Alfredo Roccos "Camera dei Fasci e delle Corporazioni" wird eine "Camera dei Fasci delle esperti". Es ist vielleicht lange her, aber ich behandle es dogmatisch: Nie wieder Faschismus, dann lieber den natürlichen Tod durch Klimaveränderung.

3. Nachtrag: Euer Sprecher vertrat euch in einer Talkshow. Diese unterhalten heute die Anderen, die nicht wie ihr seid. Sie müssen deshalb ernst genommen werden, er hätte sich vorbereiten sollen. Er wusste was sein Gegenüber sagen wird, der hat nie etwas anderes gesagt. Euer Sprecher hat die Chance verpasst, ihr habt die Chance verpasst. Er hätte die Anderen ins Boot holen können, zumindest sein Gegenüber. Euer Sprecher war freundlich, er vertrat die harte Linie; bestimmt, aber mit einem falschen Gedanken. Denn sein Gegenüber hat recht: die Verursacher des Klimawandels agieren weltweit! Die Menschen dort sind oft noch unterentwickelt und wollen ein Leben führen wie wir. Es ist unfair ihnen das zu verdenken! Sein Gegenüber hat recht wenn er mahnt, dass der dort laufende Verbrennungskapitalismus ins Visier genommen werden muss. Natürlich dar dies nicht vom eigenen Verbrennen ablenken. Aber bedenkt, die Anderen wollen und wir besorgen das Geschäft. Das wird die Erde aufheizen. Er hätte ihn umarmen und ihm dankbar sein sollen für seinen wissenschaftlich fundierten und gesicherten Hinweise. Dass sein Gegenüber deshalb vor der eigenen Haustüre nicht kehren will darauf kommt es doch jetzt nicht an. Er kann ihm das auch nur unterstellen, aber sein Gegenüber folgte eurem Gebot: Sag die Wahrheit. Er hätte also diese entscheidende Phase der Diskussion nutzen können um deutlich zu machen, dass die erste Aufgabe von Extinction Rebellen der Aufbau eines weltumspannenden Netzwerkes ist, in dem sie den Staatenlenkern die Stirn und die Völker aufklären wollen. Das Material der Aufklärung liefern sie zusammen mit den reichen Menschen in ihrem Land; das verstehen sie unter sofortiger Entwicklungshilfe. Sie kämpfen aber auch dafür, dass sein Gegenüber unterstützt wird und die Technologien entwickelt werden, die eine radikale Abkehr von diesem gottlosen Verbrennungskapitalismus möglich machen. Klar, Gott könnte er weglassen, das klingt dann doch verdächtig, das versteht heute auch eh keiner mehr. Die Chance ist vertan.

Posted by Michael Schwegler at 7:15
Edited on: Mittwoch, 18 März, 2020 21:40
Categories: Aktuelles