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Freitag, 11 Dezember, 2020

Erkenntnis und Interesse

Der Inhalt des Erkennens muss der Form, dem Interesse, vorausgehen. Daran sollte nicht gezweifelt werden. Ein verständliches Beispiel bieten die Schriften von Matthäus und Lukas. Sie zeugen davon, dass in der Feld-, wie auch in der Bergpredigt strikt zwischen Inhalt und Form getrennt wurde. Lukas 20:25, "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" und Matthäus 20:21, „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“. Beide bezeugen diese Sentenz, die der Nazarener gesagt haben soll. Zur Sache kommt dann Lukas, der mit seiner Forderung "leihet, wo ihr keine Hoffnung habt, dass das Geliehene jemals wieder zurückkommt" das Quid pro quo kategorisch endlich aus der modernen Welt schafft. Dieses "leihet" ist der Schlüssel und Voraussetzung, damit unsere Enkel auch in Zukunft leben können. Seine Forderung würde zwangsläufig zu einer Weltgesellschaft der ökonomisch Gleichen und nicht nur politisch Gleichen führen, denn alles, was wir verleihen könnten, ist für uns überflüssig und ein natürliches (göttliches) Gleichgewicht könnte unter den Menschen und nicht Christus könnte herrschen. Der Konsum könnte auf ein Mindestmaß sinken.

Wissenschaftlich betrachtet ist nicht wichtig, wer diese Sentenz wirklich gesprochen hat. Wissenschaftlich interessant ist nur, dass hier klar bezeugt ist, dass zwischen Form und Inhalt getrennt wurde. Formverfasst war der Kaiser, Gott aber kann nicht formverfasst werden, Gott ist Inhalt oder nicht. Logisch, ja oder nein, "Entweder-Oder", wie das Kierkegard klargestellt hat und sich damit zum Gespött der Bürger in Kopenhagen machte.

Der Nazarener soll das gesagt haben und diejenigen, die nicht mit ihm, sondern mit Christus waren und noch heue sind, machten eine Kirche daraus und formten den Inhalt. Mit Kirchengesetzen und Pontifex, der als Brückenbauer zwischen Form und Inhalt wirken sollte. Wirklich und wissenschaftlich belegbar wirkten seitdem aber weiterhin die Verbrechen, die nicht Inhalte der Feld- und Bergpredigt waren. Zum ersten Mal mussten deshalb viele der Katharer im 13. Jahrhundert sterben, die verbrannt wurden, wie Giordano Bruno im Jahr 1600 verbrannt wurde. Diese Toten lasten schwer auf der katholischen Kirche, die eigentlich Brückenbauer sein wollte und jämmerlich versagt hat. Deshalb darf aber nicht auf einen Brückenbauer überhaupt verzichtet werden. Nur eine Brücke ist in der Lage, zwischen Form und Inhalt konstruktiv zu wirken. Zwei Teile, die in ihrer Substanz völlig unterschiedlich sein können, verbindet nur eine Brücke und sie wäre in der Lage, völlig unterschiedliche Substanzen achtsam zusammenzuführen ohne zusammenzubinden. Beide Substanzen könnten erhalten, wahrhaftig wieder aufgebaut und beide könnten nach Jahrhunderten der Lügen einmal vollständig hergestellt werden: Deus sive natura.

Wissenschaftlich ist eindeutig, dass diese Brücke zum ersten Mal mit Luther nicht mehr gewollt war. Luther riss diese Brücke nicht nur ein, sondern schaffte sogar ein neues Fundament, das die Substanzen jetzt vereinigten und auf dem die Protestanten seitdem ihre Kriege führen und auf dem die Verbrechen seither toben. Dieses Fundament war nur Form und keinesfalls Inhalt. Luthers Gnadengott, den Paulus ihm zugeflüstert hat, erledigte alles samt den Sünden, die, egal wie die Verbrechen aussehen, von Menschen skrupellos damals begangen und heute tagtäglich begangen werden. Er befeuerte das Töten von Menschen untereinander: "Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, dass ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, bass, denn andre mit Beten […] Drum, liebe Herren, loset hier, rettet hier, helft hier, erbarmet euch der armen Leute, steche, schlage, würge hier, wer da kann. Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglichern Tod kannst du nimmermehr überkommen. Denn du stirbst in Gehorsam göttlichen Wortes und Befehls, Röm. 13,4, und im Dienst der Liebe, deinen Nächsten zu erretten aus der Hölle und Teufelsbanden."

Die verbrecherischen Banden werden fortbestehen, solange die Pest des Protestantismus fortbesteht. Rousseau empfahl ihnen, den Protestantismus an die Stelle Gottes zu erheben, erhaben wurde es deshalb nicht. Seine Philosophie erhob den Protestantismus nur zu einem irdischen volonté général, der aber nicht Gott ist und das vor allem keiner merken soll. Deshalb folgte ihm Napoleon und härtete das Fundament mit seinem Code Napoleon, der ewiglich dauern sollte und damit das Reich Gottes, seine Schöpfung, ersetzen sollte. Immer war es ein Verbrechen, wenn neue Inhalte zur Form drängten und darauf bestanden, dass die Brücken eingerissen wurden. Wie das zuletzt die Faschisten versuchten und den Inhalt von Nation und Rasse in das geltende bürgerliche Gesetzbuch schrieben und von einer faschistischen Revolution fasselten. Das war keine Revolution, das war ein preußisch-protestantisches Phänomen, dem auch viele Katholiken zum Opfer fielen und denen ein schwacher Pius XII vorstand.

Bis in das erste Jahrzehnt unseres Jahrtausend ging das gut und die Kriege wechselten sich ab. Im Jahr 1945 hätten alle wissen können, dass dieses Fundament allein den Verbrechen diente und Millionen grausam ermorderter Menschen mahnten das. Doch noch verbarrikatierten sie sich auf ihrem Fundament, schufen neue Gesetze, die diejenige Menschen bestraften, die mit Tucholski sagten: Soldaten sind Mörder, basta, nichts anderes gilt. Ihre politischen Führer haben mit dem "basta" eine Basta-Politik gemacht, die zum Krieg im Jahr 1999 die Mörder nach Jugoslawien lotste, das Basta gesetzlich unter Strafe stellte und damit wieder an das Jahr 1945 anknüpte.

Erst die stummen Zeitzeugen der Eisbohrkerne schafften die Wende, die am Ende siegen wird: Die Natur. Das erkennen wir, die Interessenklage vieler Menschen allerdings ist noch völlig anders. Jetzt fehlen Brückenbauer, die alle jene Formveränderungen zurückweisen, die geeignet sind, weiter die fossilen Brennstoffe der Erde weiter zu verbrenen, gesetzlich verordnete Verkehrsformen der Menschen weiter befeueren, damit der Warenumschlag groß und die Arbeitslosenzahlen niedrig sind. Verkehrsformen, die ein neues Autozeitalter begünstigen, anstatt alle Mobilität wieder mit der Fähigkeit der menschlichen Füße und Muskelkraft begründen und diese allein zur Grundlage gesetzlich verordnet. Da braucht es keiner Geschwindigkeitsbegrenzung und die Anzahl der Verkehrstoten könnte weltweit auf Null gesenkt werden. Bei diesen Verkehrsformen stände wieder der Mensch im Mittelpunkt und die Bergpredigt käme in aller Herrlichkeit zurück, würde vernommen und allerorten wieder verkündet werden. Der Inhalt könnte endlich der Form vorausgehen und der Mensch würde die Natur wieder gestalten und könnte dafür sorgen, dass künftig nicht mehr die Natur den Menschen gestaltet, so dass er in eine elende Zukunft läuft, an deren Ende die Natur siegen wird und der Sensenmann den letzten Menschen ihre postmoderne Bibel endlich aus der Hand nimmt und ihnen das Lukasevangelium statt dessen mitgibt, auf ihrem letzten Weg in eine Zukunft, die er nicht kennt, die er vergessen hat zu erforschen, weil es schwer ist, einen Gott zu erkennen, der ist, was ich und du und keine Kreatur eh wir geworden sind, was er ist, nie erfuhr.

Die Dummen unter den Menschen, die immer zahlreicher werden, weil in Bologna falsche Brückenbauer am Werk waren, rufen Apokalypse, ein Verschwörer, seine Schriften sind des Teufels und müssen umgehend verboten werden. Er will die Arbeitslosen zu Massen machen und die menschliche Mühsal zur wahrhaften Tugend erheben, die Steinzeit ist das Ziel und alle Bequemlichkeit müsse enden: Kreuzigt ihn.

Und sie werden zu Rate sitzen und ihre Ratshäuser weiter anheizen. Der bestehende Weg der Bequemen steht auf der Agenda. Mit weiteren Dienstleistern soll er ausgebaut werden und der Weg führt wissenschaftlich belegbar in eine Richtung, an derem Ende ein menschliches Elend für alle steht, dass bisher nur in besonderen Regionen der Welt gekannt wird. In den Geschichtsbüchern, die in den reichen westlichen Industrienationen staatlich behütet und genehmigt werden müssen, steht Ausgewogenes drin und authentisch wird erst gar nicht berichtet. Es ginge um die Sache, nicht um den Menschen. Diejenigen, die das lesen, fragen nicht, ob das alles wissenschaftlich belegt ist, aber die ohnehin gar nicht sinnverstehend lesen können. Zwischen heute und diesem Ziel gibt es Wegeabschnitte, auf denen einer erschreckende Traurigkeit herrscht, die mit allerlei Herzkino und mit allem modischen Manövern vertrieben werden soll. Was die Menschen einfach nicht verstehen wollen, dass, solange das Bürgerliche Gesetzbuch herrscht, die Traurigkeit nicht enden kann.

Der Kohlenstoffkreislauf belegt dies und kann als Indikator der Traurigkeit durchaus verwendet werden. In all den Jahrtausenden seit der Mensch den Boden der Erde betreten hat, war dieser Kohlenstoffkreislauf stets im Gleichgewicht. Bis zu jenen Tagen, als allen menschlichen Inhalten eine Form vorgesetzt wurde, die jeglichen emanzipatorischen Inhalt und selbst eine selbstbestimmt herbeigeführtes bescheidenes Leben gewaltsam verhindert. Nicht die notwendigen Verkehrsformen bestimmten das Recht, sondern das Recht bestimmte die geforderten Verkehrsformen, die in vielen Fällen nicht notwendig, sondern nur bequem sind. Klar, dass die Lämmer diesen neuen Hirten mehrheitlich folgen, heute Herren, aber keine Brückenbauer mehr sind. Diese Aufgabe übernehmen zunehmend Frauen, die besser mit unterschiedlichen Substanzen umgehen können aber auch nicht verstehen, dass heute trotz der behaupteten Unterschiede, die Substanz dieselbe ist: Das bürgerliche Recht.

Posted by Michael Schwegler at 6:36
Edited on: Mittwoch, 16 Dezember, 2020 19:33
Categories: Der einfache Mensch