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Samstag, 30 November, 2019

Es wird nicht gelingen

mein Urteil ist bitter.

Natürlich sie sind jung, sie toben noch. Wie sie auf den Schulhöfen toben, wo sie toben müssen, weil sie so jung bereits eingesperrt werden; das Schulgesetz verlangt es. Sie suchen ihre Freund*innen, auch das versteht man. Hinzugekommen aber ist, dass viele ihre Smartphones vor sich hertragen, wie wenn diese die Richtung anzeigen könnten, in die gegangen werden muss. Aber da wollen sie nicht hin, die Entbehrungen scheinen dann doch zu gewaltig. Da versöhnt man sich dann doch lieber mit der Politik. So sprachen die runden roten Schilder mit der einzigen Forderung "Raus aus der Groko" das aus, was auf solchen Demos in den Parlamenten noch gehört wird, obwohl solche Schilder gar nicht sprechen können. Aber haben sie nicht zugehört? Hören sie zu, wie sie ihren Lehrer*innen heute zuhören? Es war in Krakowice, als ihr Idol Greta Thunberg den richtungsweisenden Satz aussprach: "Ihr habt uns bisher nicht geholfen, ihr werdet uns auch in Zukunft nicht helfen" .

Dass sich die noch junge Greta Thunberg mit all ihren Unterstützern Partner in den verschiedenen Nationalstaaten sucht ist richtig und verständlich; die Klimaveränderung macht an Grenzen nicht halt. Dass sie sich ausgerechnet an eine Politikerin wendet, wird ihren hoffnungsvollen Aufbruch zu Ende führen; geschützt und behütet, aber das ist wichtig bei all den häßlichen Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist.

Aber die Politik kann auf dem privaten Grund und Boden hier nichts richten. Das hat der Wirtschaftsminister jetzt schon mehrfach in den Talkshows verkündet, aber auch ihm hört keiner zu. Vielleicht auch deshalb, weil er nicht klar das Problem benennt und die Erscheinungsebene bedient, auf der alles so hoffnungslos bleibt. Dieser common sense Möchtegern Roger Hattam, dem ich zuvor meine Aufmerksam schenkte weil Freunde mich darum baten, denkt auch nicht anders, nur gefährlicher: Er träumt von Bürgerversammlungen, wie wenn der kantische Pöbel nur anders aufgestellt werden müsste um eine Politik der radikalen Veränderungen, eine Politik der Aufhebung der Produktionsweise auf privatem Boden, durchsetzen könnte. Aber das will er auch gar nicht: Er ruft wieder nach der Fasces, die es richten soll. Gefährliche Träume, die Erinnerungen an die von den Sozialdemokraten aufgestellten Freicorps wachrufen, deren sich dann ihre politischen Gegner bedienten: Dialektik findet auf der Formseite statt.

Nein, meine Brüder und Schwestern, ohne die Befreiung des Bodens aus dem Sachenrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches geht es nicht. Es ist so merkwürdig: Dieser Weg wäre so einfach und klar, ohne Haken und Ösen; ohne Pathos und revolutionärem Geschrei. Nur das egoistische Haben-wollen müsste abgegeben werden, an die Anderen da draußen, an die Brüder und Schwestern, die zunehmend zu uns kommen, damit sie bleiben können, an die Völker. Aber das erinnert dann doch zu sehr an Nietzsche und deshalb ende ich hier; ich will nicht ablenken.

Posted by Michael Schwegler at 8:19
Edited on: Freitag, 06 Dezember, 2019 22:16
Categories: Aktuelles

Montag, 25 November, 2019

Über Dialektik

Der Knecht setzt den Herrn voraus.

Die Antifa setzt den Faschismus voraus; zumindest wenigstens einen Faschisten.

In ihrem Gegensatz bestätigen sie sich. In ihrem Sprechen übereinander konservieren sie sich.

Das ist der Fluch der Dialektik. Sie ist in die Welt gekommen, als sich der erste Mensch als privater Mensch von den anderen Menschen absonderte.

Es ist mühsam und unnötig zu fragen, weshalb er sich abgesondert hat. Es ist Fakt.

Deshalb lese ich sie gerne, Michel de Montaignes Essays „Vom Schaukeln der Dinge“; sie synchronisieren mich. Der Anstoß, der Ausschlag des Pendels und seine Bewegung zurück; es oszilliert, gedämpft, weil da dieser Stoff ist, den wir zum Leben auf diesem Planeten brauchen. Wir sollten nicht eingreifen solange wir hoffen, dass das Pendel wieder zur Ruhe kommt.

Jeder Eingriff bedeutet Energiezufuhr, das wusste Michel de Montaignes noch nicht, und das musste er auch nicht wissen. Sein Haushalt war noch geordnet, er entbehrte nichts. „Sich des Handelns zu enthalten ist oft ebenso verdienstlich wie das Handeln, aber das fällt nicht so in die Augen; und das wenige Verdienst, das ich habe, liegt sozusagen ganz auf dieser Seite“.

Aber bedenkt auch: Es gibt zunehmend Menschen, die mit einerseits und andererseits behaupten, dialektisch daherzureden. Sie bleiben auch stets in der Mitte stehen und das ist ihr Erkennungsmerkmal. Vertraut ihnen nicht, sie sind diejenigen, die dafür gesorgt haben und auch in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Welt ist wie sie ist. Sie werden auch den Klimawandel so behandeln: Einerseits - Andererseits.

Es ist das Gegenteil von Dialektik. So werden wir unseren Planeten zerstören; einerseits. Da endet dann auch Dialektik, da ist nichts mehr.

Posted by Michael Schwegler at 10:48
Edited on: Sonntag, 01 Dezember, 2019 10:57
Categories: Der einfache Mensch