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Montag, 25 November, 2019

Über Dialektik

Der Knecht setzt den Herrn voraus.

Die Antifa setzt den Faschismus voraus; zumindest wenigstens einen Faschisten.

In ihrem Gegensatz bestätigen sie sich. In ihrem Sprechen übereinander konservieren sie sich.

Das ist der Fluch der Dialektik. Sie ist in die Welt gekommen, als sich der erste Mensch als privater Mensch von den anderen Menschen absonderte.

Es ist mühsam und unnötig zu fragen, weshalb er sich abgesondert hat. Es ist Fakt.

Deshalb lese ich sie gerne, Michel de Montaignes Essays „Vom Schaukeln der Dinge“; sie synchronisieren mich. Der Anstoß, der Ausschlag des Pendels und seine Bewegung zurück; es oszilliert, gedämpft, weil da dieser Stoff ist, den wir zum Leben auf diesem Planeten brauchen. Wir sollten nicht eingreifen solange wir hoffen, dass das Pendel wieder zur Ruhe kommt.

Jeder Eingriff bedeutet Energiezufuhr, das wusste Michel de Montaignes noch nicht, und das musste er auch nicht wissen. Sein Haushalt war noch geordnet, er entbehrte nichts. „Sich des Handelns zu enthalten ist oft ebenso verdienstlich wie das Handeln, aber das fällt nicht so in die Augen; und das wenige Verdienst, das ich habe, liegt sozusagen ganz auf dieser Seite“.

Aber bedenkt auch: Es gibt zunehmend Menschen, die mit einerseits und andererseits behaupten, dialektisch daherzureden. Sie bleiben auch stets in der Mitte stehen und das ist ihr Erkennungsmerkmal. Vertraut ihnen nicht, sie sind diejenigen, die dafür gesorgt haben und auch in Zukunft dafür sorgen werden, dass die Welt ist wie sie ist. Sie werden auch den Klimawandel so behandeln: Einerseits - Andererseits.

Es ist das Gegenteil von Dialektik. So werden wir unseren Planeten zerstören; einerseits. Da endet dann auch Dialektik, da ist nichts mehr.

Posted by Michael Schwegler at 10:48
Edited on: Sonntag, 01 Dezember, 2019 10:57
Categories: Der einfache Mensch

Donnerstag, 24 Oktober, 2019

meum esse aio,

ich behaupte, dass es mein ist.

Galt in den griechischen Stadtstaaten noch das "suum cuique", - Jedem das Seine -, weist das "meum esse aio", -ich behaupte, dass es mein ist- der Römer bereits darauf hin, dass das Seine inzwischen in Frage gestellt war. Die Behauptung, dass es mein sei, erklärt dem suum cuique den Streit, suspendiert die Ordnung, die bestand, als das Seine in den griechischen Demen noch anerkannt und geschützt war.

Innerhalb dieser Ordnung des suum cuique konnte sich auch die vermutlich erste Demokratiebewegung in Athen entfalten. Es war die Jugend, die gegen die Ordnung des suum cuique der griechischen Adelsfamilien protestierten.

Es wird berichtet, dass es Sokrates war, der die Jugend aufgewühlt habe, mit ihr noch im hohen Alter sprach und deshalb auch angeklagt wurde. Er war ein Dorn in den Augen der griechischen Adelsfamilien. Aber nicht einer dieser Adelsfamilien sondern Anythos, ein wohlhabender Bürger Athens und Führer der damaligen Demokratiebewegung, verfasste die Anklageschrift gegen ihn. Seine Verteidigungsrede, die Platon in der Apologie des Sokrates überliefert hat, kann als Grundlage dafür genannt werden, dass auch heute das Recht den freien Willen des Menschen letztlich nicht brechen wird. Er wusste um die Allmacht des Rechts, beugte aber vor dem athenischen Volksgericht nicht sein Haupt.

Ihr könnt mich freisprechen, ihr könnt mich auch zum Tode verurteilen. Ihr müsst nur wissen, wenn ihr mich freisprecht, ich werde mich nicht ändern. "Wenn ihr also wie gesagt unter dieser Bedingung mich freisprächet, so werde ich sagen: meine Mitbürger, eure Güte und Freundlichkeit weiss ich sehr zu schätzen, gehorchen werde ich aber mehr dem Gotte als euch und solange ich noch Atem und Kraft habe werde ich nicht aufhören nach Wahrheit zu streben und euch zu mahnen und aufzuklären und jedem von euch mit dem mich der Zufall zusammenführt, in meiner gewohnten Weise ins Gewissen reden. Wie mein Bester, du ein Athener Bürger der grössten und durch Geistes Bildung und Macht hervorragensten Stadt, schämst du dich nicht durch möglichster Füllung deines Geldbeutels zu sorgen und auf Ruhm und Ehre zu sinnen, aber um Einsicht, Wahrheit und Besserung deiner Seele kümmerst du dich nicht und machst dir darüber keine Sorgen".

Den Schierlingsbecher musste Sokrates nach dieser Verteidigungsrede natürlich trinken.

Posted by Michael Schwegler at 7:37
Edited on: Sonntag, 24 November, 2019 20:41
Categories: Der einfache Mensch

Dienstag, 22 Oktober, 2019

Der einfache Mensch

unterscheidet sich vom bürgerlichen Menschen (frz. Bourgeois) im Wesentlichen in seinem Verhältnis zur Natur. Anders als der einfache Mensch glaubt der bürgerliche Mensch, dass er nicht nur Herr über den einfachen Menschen sein kann sondern auch über die Natur und die übrigen Geschöpfe der Natur. In diesem Glauben bedient er sich auch der Geschöpfe der Natur, des Bodens und der Meere. Der einfache Mensch hingegen lebt in Demut gegenüber der Natur. So stehen sich diese beiden Charaktere von Menschen stets unversöhnlich und diametral gegenüber.

Die Geschichte kann deshalb nicht in erster Linie als die Geschichte von Klassenkämpfen  wirklich begriffen werden. Ein Klassenkampf kann entschieden, stillgelegt oder vertraglich geregelt zumindest für längere Zeiten aufgehoben werden. Mehr noch: Durch intensive Ausbeutung der Erde und einem hohen technologischen Vorsprung in der Entwicklung der Produktivkraft Mensch, können sich der einfache Mensch und der bürgerliche Mensch den unterentwickelten und in ständiger Abhängigkeit gehaltenen armen Völker der Erde gemeinschaftlich bedienen und versöhnen sich im Teilen der Beute. Dass die Beute hierbei in aller Regel ungleich geteilt wird, spielt durch das psychologische Moment des gemeinsamen Herrschens kaum eine Rolle. Für Verteilungsverhandlungen setzen sich beide Charaktermenschen mit abgesprochenen Manieren an einen längst rund gewordenen Tisch.

Geschichtlich kann diese These mit der Entwicklung korporativer Systeme, dem erfolgreichen deutschen Programm der "sozialen Friedenssicherung" und flankierenden Methoden einer umfassenden Sozial- und Arbeitsgesetzgebung, den wirtschaftlichen Weltorganisationen, den Programmen zur Entwicklungshilfe usw. empirisch belegt werden. Ob die empirischen Daten, die bis heute diesbezüglich vorliegen auch für alle Zukunft taugen ist bezüglich der Eingangsthese zweitrangig.

Der Gegensatz aber zwischen dem bürgerlichen Menschen und dem einfachen Menschen ist in Permanenz vorhanden und kann nur aufgehoben werden, in dem der bürgerliche Mensch besiegt wird. Nie wird sich der einfache Mensch von der Natur emanzipieren: Für den Einen religiöses Dogma, für den Anderen die eigene Natur.

Die größte Chance, den bürgerlichen Menschen ein- für allemal zu besiegen, ist ein asymmetrischer Kampf gegen ihn, indem der einfache Mensch sich den Ansinnen der bürgerlichen Menschen konsequent verweigert (Ungehorsam und im gemeinsamen Credo: seid Sand nicht Öl  im Geriebe der Welt) und im Aufbau eigener Netzwerke außerhalb des bürgerlichen Lebens zur Sicherung seines Lebens unter einfachen Menschen sich auf eine befreite Gesellschaft in Zukunft vorbereitet.

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Posted by Michael Schwegler at 13:12
Edited on: Montag, 25 November, 2019 11:43
Categories: Der einfache Mensch

Dienstag, 15 Oktober, 2019

Brav gewühlt, alter Maulwurf

Rousseau nannte den einfachen Menschen einen einfältigen Menschen. Kant fasste sie im Begriff Pöbel zusammen. Es ist die Begrifflichkeit der Herren und entsprechend war ihr Weltbild das einer Gesellschaft der Herren und Knechte.

Das sei immer so gewesen, erklären heute die Medienmacher und das müssen sie. Würden sie es nicht ständig wiederholen, liefen sie Gefahr, dass die Haufen wahrgenommen werden, die anzeigen, dass er schon lange tätig ist und weiter wirkt, er, der Maulwurf.

Aus den letzten gut zweihundert Jahren könnten Berichte über die Sansculotten in Frankreich an ihn erinnern. Mit ihrem spontanen Aufbruch zur Bastille in Paris am 14. Juli 1789 eröffneten sie die Französische Revolution. Sie wurden zwar postwendend betrogen und die Herren übernahmen sofort wieder das Ruder. Aber sie zeugen von ihm, vom Maulwurf; auch 82 Jahre später, als es die Enkel der Sansculotten noch einmal mit der Pariser Commune versuchten. Diesmal mussten preußische Kanonen her, damit der demokratisch gewählte Rat von Paris zusammen mit dem erneuten Aufbruch der einfachen Menschen an der Mur des Fédérés zusammengeschossen werden konnte. Aber die Befreiung der einfachen Menschen vom Joch der Herren wird nie enden solange er lebt; der hegelsche Maulwurf.

Heute werden die einfachen Menschen "vergiftet". Pier Paolo Passolini schrieb über die einfachen Menschen in Italien: "Der Faschismus hat die Seele des italienischen Volkes nicht einmal angekratzt; der neue Faschismus hat sie mit seinen neuen Informations- und Kommunikationsmitteln (vor allem mit dem Fernsehen) nicht nur angekratzt, er hat sie zerfetzt, geschändet, für immer beschmutzt...."

Pasolini schrieb dies im Jahr 1973. Heute verfügen die Herren über eine Fülle von Techniken und Apparaten, um "das sei immer so gewesen" an jedem Tag erneut in Granit zu meißeln. Letztlich aber wird selbst ihr unter wissenschaftlicher Begleitung hergestelltes "Gift" nicht wirken: Maulwürfe sehen weder fern, noch lesen sie in Zeitungen.

Nur das Gift, das durch die zunehmenden Verbrennungsmotoren ihrer Industrien erzeugt wird führt dazu, dass der Anteil des Kohlenstoffdioxids in der Atmosphäre stetig ansteigt. Dieses Gift allerdings wäre geeignet, dass am Ende er dann doch stirbt, der Maulwurf.

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Posted by Michael Schwegler at 12:32
Edited on: Montag, 25 November, 2019 11:47
Categories: Der einfache Mensch