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Mittwoch, 06 Mai, 2020

Richter und andere Bürger

Heinrich Senfft, Jahrgang 1928, hatte ein Buch mit diesem doppeldeutigen Titel geschrieben. Er verstarb 2017. Sie sterben natürlich künftig alle, die den modernen Faschismus noch erlebt haben und die wissen, worüber sie schreiben. Heute würde man Heinrich Senfft einen radikaldemokratischen Schwaben nennen.

Die freiheitlich-demokratischen Grundordnung lag ihm am Herzen. Wie der Autor von endederrevolutionen.de wachte er am Ende der 1960er Jahre auf; er war 40 Jahre, der Autor von endederrevolutionen.de gerade einmal 18 Jahre alt. Heinrich Senfft kam aus anderem Haus und war ein hervorragender Jurist, der sich seiner Zunft am Ende seinens Lebens schämte; er hat sie erkannt. Deshalb lehrt er die Nachkommen. Jeder kann, ohne sein Buch zu kennen, in vielen Aufsätzen, die im Internet publiziert werden, über die "Traditionen der Monarchie und der verhinderten und gescheiterten Demokratisierungsversuche" lesen. Er nähert sich anders dem postmodernen Faschismus, der heute unverblümt herrscht: Er geißelt die juristische Arbeit und Funktion des Bundesgerichtshofes: Die furchtbaren Juristen des Dritten Reiches blieben nahezu nach 1945 ungeschoren und konnten ihre Brut im alten Geist in die Postmoderne einbringen und dort wirkt sie inzwischen, erwachsen geworden, und gestaltet die bürgerlich verfasste Gesellschaft wieder um ihren wahren Kern: Dem Privateigentum an Grund und Boden. Ohne die Abschaffung des Privatrechts auf Eigentum an Grund und Boden kann es kein anderes Recht geben.

Senff entlarvt die "bürgerlichen Geschichtsschreibung", zeigt auf, wie die Obrigkeit den Juristen und Beamten alle Spielräume und Interpretationsräume systematisch zerstörte und jeden Freigeist gnadenlos verfolgte und diesen zuletzt einfach standrechtlich erschießen ließ. Der Sozialdemokratie galt sein besonderer Augenmerk, die hochgradig naiv dem Treiben der rechtskonservativen politischen Kreisen zusahen. Bis heute beorgten die postmodernen Sozialdemokraten in noch größerer Naivität den Weg in den postmodernen Faschismus: Es war Gerhard Schröder, der für den völkerrechtswidrigen Kampfeinsatz gegen Jugoslawien verantwortlich ist und stramm stehen seine Genossen in dieser Frage immer noch hinter ihm. Wenn Frau Kramp-Karrenbauer Kampfjets besorgen will, die amerikanische Atomwaffen und Deutschland in einen nuklearen Krieg tragen kann, dann beweinen die postmodernen Sozialdemokraten dieses vorgehen. Man hätte sie doch fragen müssen, sie sind doch inzwischen groß genug, das zu verstehen.

Hervorragend die Feststellung von Heinrich Senfft: "Der Befangene weiß nicht, daß er befangen ist." Diese Feststellung gilt bis heute und bildet wieder die Grundlagen einer entarteten Justiz. Der Jurist liest die Gesetze, Kommentare und sitzt im Gefängnis, das er nicht wahrnimmt. Im Gegenteil: Würde er heraustreten, um einmal von außen zu schauen, ob es wirklich ein Gefängnis ist, käme er um. In seiner Zelle sind die Fenster nicht vergittert, er müsste also schon hinaustreten. Die obersten Richter aber kennen ihre Glaubensbrüder. Die kommen nicht mehr auf die Idee durch das Fenster zu steigen, wenn die Türe nach draußen offen steht.

"Die Geschichte des Bürgertums spiegelt sich auch in der Geschichte der Justiz." Das sieht Heinrich Senfft völlig richtig. Er zeigt, wie der Lese- und Schulstoff die Kinder und Jugendlichen prägte. Damals noch borniert in klaren Verordnungen tritt der Schulstoff heute unternehmenskonform in Kompetenzkatalogen auf und staatsbedienstete Lehrer scheuen sich längst wieder, von den dort festgeschriebenen Inhalten abzuweichen. Mehr noch, die laden sich heute ihre Unterrichtsmaterialien von obrigkeitszertifizierten Servern herunter; da ist kein Entrinnen mehr.

"1945: Keine Stunde Null". In diesem Kapitel seines Buches treffen sich die unterschiedlichen Voraussetzungen der Autoren. "Schönwetterdemokratie" haben beide bis in die 70er Jahren erlebt, der eine erfahren, der andere noch naiv.

Heinrich Senff resümiert und sah voraus, was heute bei einer angeblichen 93%igen Zustimmung der Deutschen zu den aktuellen Grundrechtsverletzungen durch die Obrigkeit belegt ist: "So sehr sich die Westdeutschen an den demokratischen Spielregeln versuchten, so sehr ließen und lassen sie sich um der vermeintlichen Sicherheit willen fast jede Beschränkung ihrer Freiheit gefallen; kein Urteil ist ihnen zu scharf, kein Ubergriff der Polizei zu brutal, keine Äußerung eines Regierungspolitikers zu forsch: Ordnung muß sein! Die Angst, das soziale Netz zu zerreißen, Konsum und Wohlstand zu verlieren, ist so groß, daß wir lammfromm jede Kontrolle hinnehmen."

Inzwischen sind längst die Ostdeutschen hinzugekommen, außer Wut brachten viele von den Ostdeutschen aber nichts mit. Für den Verfasser von endederrevolutionen.de ist das Urteil der 2. Kammer des Bundesverfassungsgerichts ein Beleg, dass der Faschismus, der im Jahr 1945 in den Untergrund gegangen ist, jetzt in der Krise endgültig wieder an die Oberfläche gespült worden ist. Weshalb der Autor von endederrevolutionen.de den Katholizismus immer wieder zitiert hat übrigens einen sehr einfachen Grund: Der Katholizismus ist die einzige außerparlamentarische und derzeit noch relevante Bewegung, die unbeirrt am Naturrecht festhält. Es ist das höchste Recht, das über allen irdischen Rechten steht. Das wollen die Mächtigen nicht wahrhaben. Deshalb werfen sie sich noch heute vor die Lumpen, dem Möchtegernapostel Paulus und den Möchtegernphilosophen Rousseau auf den Boden; sie sind erbärmlich.

"Kein Abschied von Hitler": Ein weiteres Buch von Heinrich Senfft, mit dem der Weblog nun wirklich einmal enden soll. Nicht mit dem Buch will er enden, sondern mit der Bitte: "Kein Abschied von endederrevolutionen.de"

Bitte lest weiter bei endederrevolutionen.de. Ich möchte die Verwirlichung einer außerparlamentarischen Oppostion begleiten, die inzwischen u.a. auch Ernst Wolff und viele andere sich wünschen. Nicht eine Partei ist die Lösung; diese haben die Juristen längst zu 100% im Griff und mit ihnen teilen sich die Parteiideologen die Beute. Die Freigeister aber können sie nicht einfangen. Bedenkt aber immer: Wenn die Juristen die Freigeister einfangen, gilt wieder ihre schärfste Waffe, das Standrecht. Die Hoffnung, dass ein Bundesverfassungsgericht die Menschen davor bewahrt, starb am 10. April 2020. Selbst die dümmsten Urteile sind heute wieder möglich und die Dienstaufsicht der Richter schaut weg. Was heute mir, kann morgen dir passieren; wir sollten in Kontakt bleiben.

Posted by Michael Schwegler at 7:28
Edited on: Mittwoch, 06 Mai, 2020 10:01
Categories: Aktuelles