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Samstag, 12 Oktober, 2019

Vorwort

Zum ersten Mal in der Geschichte stellen Geldwerte extrem reicher Menschen eine Gefahr für das Klima unserer Welt dar, die in diesem Zusammenhang kaum erkannt wird. Als eine Gefahr für die Zukunft wird stattdessen die Kehrseite der Medaille, die gewaltige Schuldenlast der Länder, diskutiert. Dabei wird es Zeit, über diese gewaltige Vermögenslast reicher Menschen nachzudenken, weil sich unter ihr der Kohlenstoffdioxidgehalt der Erdatmosphäre weiter erhöhen wird. Zwar gelingt es oft einzelnen Vermögenden durch Spekulation an den inzwischen weltweit entstandenen Finanzmärkten in Casino-Manier einen persönlichen Vermögenszuwachs zu bescheren - der natürlich in gleicher Höhe einen anderen eine Verminderung seines Vermögens beschert - oder clever angelegt gelingt es manchmal sogar, dass ein Vermögen mit Steuergeldern vermehrt wird. Um aber langfristig aus Geldvermögen, Mehrgeldvermögen zu erzeugen, müssen Teile der Vermögenswerte als Kapital einem Mehrwert-Produktionsprozess zur Verfügung gestellt werden; ansonsten werden sie letztlich aufgezehrt. Ohne Wachstum, das sollte jedem klar sein, würden die Vermögen der Bürger langfristig aufgezehrt.

Es sei denn langfristig kommen die Lohnabhängigen für einen kontinuierlichen Vermögenszuwachs der Bürger durch die Finanzierung der derzeit auffallend wachsenden Grundrenten auf. Wenn im produzierenden Wirtschaftsbereich keine nenneswerten Gewinne mehr erzielt werden können bleibt den Vermögenden nur der Weg ins Casino oder zum Ankauf von Grund und Boden. Letzteres kennzeichnet die aktuelle Situation in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika: Die Bodenwerte und die Mieten steigen. Dieser Prozess kennt aber natürliche Grenzen, die politisch mit den Begriffen "prekär" und "Verarmung" gekennzeichnet werden. Während dieses Prozesse schrumpft die Anzahl der Menschen des noch verbliebenen Mittelstandes und gleichzeitig fallen die Löhne auf ein Existenzminimum, dem der einzelne Lohnarbeiter nur über eine Ausweitung seiner Arbeitszeit bzw. mit der Aufnahme mehrerer Beschäftigungsverhältnisse entgegenwirken kann. Wenn diese natürlichen Grenzen am Markt ankommen und wirksam geworden sind wird der Druck auf ein Wachstum innerhalb der Arbeitsgesellschaft ansteigen und den Verbrennungskapitalismus wieder verstärkt anheizen. Politisch kann dieser Prozess im Grunde nicht gesteuert werden. Politische Entscheidungen können diesen Prozess verzögern, ihn moderieren und gegebenenfalls sozial abfedern; aufhalten können sie ihn nicht. Das Recht verbietet das!

Trotz der weltweit akuten Störungen des Welthandels, der auf die internationale Konkurrenz und stagnierenden Produktionszahlen zurückzuführen ist, werden durch mannigfache politischen Maßnahmen diese Störungen im Wesentlichen beseitigt werden. Sobald international die in Schieflage geratenen nationalen Bilanzen wieder einigermaßen angeglichen und damit in Ordnung gebracht werden wird der Wachstumskurs mit Zustimmung der Massen in den miteinander konkurrierenden Nationalstaaten wieder hergestellt. Daran werden die weltweiten Proteste der Gegner des Wachstumskurses nichts ändern. Auch die inzwischen verstärkt eingesetzte Postwachstumsdiskussion wird daran nichts ändern. Im Gegenteil: Diese Diskussion verhindert den politischen Prozess, der notwendig ist, um die Ursache des Verbrennungskapitalismus konsequent zu beseitigen: Das Recht auf Privateigentum an Boden.

Niemand weiß was der Verbrennungskapitalismus genau anrichten wird. Wir nehmen die ersten Auffälligkeiten im eingesetzten Klimawandel wahr und wissen momentan nur, dass dieser sich weiter beschleunigen wird. Wir wissen noch nicht einmal wie sich dieser Klimawandel langfristig auswirkt wenn wir wenigstens einen weiteren Anstieg des Klimagases stoppen würden; den wir, solange es ein Eigentum an Grund uns Boden gibt, nicht stoppen können!

Wir wissen nur, dass das Gleichgewicht zwischen Abgabe und Aufnahme diese Gases seit Beginn der sogenannten industriellen Revolution erheblich gestört ist und exponentiell der Anteil von CO2 in der Atmosphäre ansteigt. Nur weil wir das inzwischen empirisch gesichert wissen wird die Frage, mit welchem Recht der Mensch derart in die Natur eingegriffen hat, überhaupt erst gehört. Mit welchem Recht verbrennt der moderne Mensch die über Jahrmillionen geschaffenen fossilen Stoffe? Mit dem Bürgerlichen Recht lautet die klare Antwort und damit sind wir sofort beim Kern der Sache. Allein dieser Kern muss freigelegt werden.

Gewöhnlich kümmern sich Vermögensverwalter um die Geldanlagen reicher Menschen. Aufgrund der stetig ansteigenden Geldmengen haben sie inzwischen Schwierigkeiten, genügend solvente Käufer für ihre Ware Geld zu finden, beziehungsweise Verkäufer, die für Geld eine Ware anbieten, dessen Verwertung Mehrgeld in Aussicht stellt. Wegen der ungeheuer angestiegenen Warenfülle stagniert dieser Weg zunehmend, um Geld zu akkumulieren. Nur mit einer Ausnahme folgt nämlich die Ware Geld der Logik aller Waren, die das private Haus verlassen und auf dem Markt angeboten werden. Bleiben die Käufer weg, ist dies für alle Waren meist ein untrügliches Zeichen, dass die Waren überflüssig werden. Für eine Weile gelingt es oft noch, mit Preissenkungen Käufer wieder auf den Markt zu locken; aber wenn auch dieses Mittel ausgereizt ist hilft nur noch, die Waren in großen Mengen vom Markt zu nehmen. Dann werden sie knapp und können das Spekulationsinteresse der Käufer erneut wecken.

Die Strategie der Warenbesitzer, eine Ware derart kalkulierend knapp zu halten, hat oft sogar einem Ladenhüter wieder einen Käufer beschert. Selbiges kann allerdings von der Ware Geld nicht berichtet werden. Die Ware Geld als Ladenhüter wäre zwar denkbar und auch die Methode, dieser Ware aus diesem freudlosen Zustand zu verhelfen. Das setzt aber Fraternité voraus, die nicht der Fraternité der Französischen Revolution entspricht, sondern eher auf eine Brüderlichkeit verweisen würde, die in der „De civitate Dei“ des Augustinus gegründet wäre. Diese aber wurde von den Bürgern der Französischen Revolution im Jahr 1789 aus dem Land gejagt.

Niemand ist mehr bereit, sein überflüssiges Geld zu vernichten und im Schuldner den Bruder zu sehen. Dem Geist des Augustinus, wenn dieser aus dem Mund eines Thomas Müntzer gesprochen hätte, entspräche eine derartige Brüderlichkeit aber allemal. Allerdings sprach dieser Geist aus seinem getreuen Nachfolger, dem Augustinermönch Martin Luther, der dann doch nur als Beispiel für die Fraternité der französischen Revolution taugt und die Revolutionäre von Paris taten gut, diesen Geist aus dem Land zu jagen. Aber dieser Geist hatte in Jahrhunderten, in denen er wirkte, längst einen Körper bekommen. Dieser war winzig klein und keine Mensch kannte in dieser Zeit diesen Bazillus, der schon öfters die Menschen heimgesucht hat und, wie wir heute wissen, von Ratten übertragen wird: Den Protestantismus. Mit ihm blieb das Geld der reichen Bürger im Land.

Es war angesichts der Tatsache, dass der letzte König des Landes die angehäuften Schulden seines Königshauses vermutlich nie mehr zurückzahlen konnte, als Vermögen der Bürger lediglich beurkundet, und diese Urkunden taugten nicht einmal, einen Hund hinter dem Ofen hervorzulocken. Das katholische Ancien Régime war am Ende. Ein Staatsbankrott stand unmittelbar bevor. Das Volk der Franzosen aber hungerte und unter den ersten Revolutionären mischten sich noch Gläubiger, die sich um das feudale Finanzsystem nicht mehr kümmerten und eigene, revolutionäre Finanzsysteme im Kopf hatten. Ihre Idee war die Soforthilfe: Eine Währung, die auf dem Gegenwert der gewaltigen Vermögen des Klerus gegründet werden solle. Die alten königlichen ungedeckten Livres wurden gegen harte, gut gedeckte Assignaten-Livres getauscht. Noch am Ende des ersten Revolutionsjahres wurden sie gedruckt: 400.000 Assignaten, gesichert durch die Besitztümer des enteigneten Klerus, und im Jahr 1790 schien alles wirtschaftlich schon deutlich besser zu werden.

Aber noch funktionierte es nicht. Die Assignaten-Livres vermochten wenige Jahre später noch nicht einmal das tägliche Brot zu sichern, auf das die Sansculotten in diesen Zeiten bitter angewiesen waren. Zu oft wurden im Rausch der Spekulation die Druckmaschinen angeworfen und zuletzt waren insgesamt 45 Milliarden Assignaten-Livres in Umlauf gebracht. Gegenüber dem geschätzten enteigneten Kirchenvermögen von 2 bis 3 Millarden Livres konnte von hartem gesichertem Geld im Jahr 1796 keine Rede mehr sein. Diese plötzlich eintretende Pestepidemie musste bekämpft werden. Der ehemaliger Jacobiner und spätere Kaiser der Franzosen Napoleon Bonaparte bot sich an, die Epidemie zu bekämpfen. Zwei Maßnahmen sollten die Seuche eindämmen: Eine Goldwährung und ein bürgerliches Gesetzbuch.

Die von der Pest Befallenen vertrauten ihm, und die gegen die Pest Immunisierten ahnten, dass diese Pest diesmal sehr lang andauern wird. Das Volk spaltete sich und hörte auf, Volk zu sein: Die Befallenen vereinigten sich unter der Trikolore. Liberté, Égalité, Fraternité und die Immunisierten lasen jetzt öfters in ihrem "Buch zum menschlichen Leben", aus dem sie allerdings den Apostel Paulus entfernten. Sie wussten inzwischen, dass dieser Paulus selbst einen Immunisierten am Ende doch noch zur Strecke bringen konnte, was sie am Katholiken Martin Luther eindrucksvoll studieren konnten. Unkommentiert standen in diesem Buch allein die Sätze der Synoptiker Matthäus, Lukas und Markus. Dieses Buch war mit dem Gesetzbuch Napoleons, mit dem er unter dem Zeichen der französischen Trikolore die verbliebenen Fürstenstaaten in Europa eroberte und seinem Code Civil unterwarf, nicht kompatibel. Noch bevor sein Gesetzbuch veröffentlicht wurde war schriftlich vereinbart, dass alle Inhalte im "Buch zum menschlichen Leben", bevor die Inhalte praktisch werden durften, diese unter die Zustimmung der staatlichen Exekutive gestellt sind. Vertraglich wurde dies im Jahre 1801, und damit drei Jahre vor der Veröffentlichung seines Codes Napoleon, beschlossen.

Die Unterschrift des Kardinals Ercole Consalvi unter den Staatskirchenvertrag besiegelte einerseits die staatliche Unterdrückung der Katholiken wie gleichzeitig das Ende der katholischen Kirche.

Die vermögenden Bürger engagierten sich erst wieder nachdem mit einem zur gleichen Zeit neu geschaffenen Franc eine Goldwährung ihre Darlehen zur Finanzierung der Feldzüge ihres ersten Konsuls Napoleon Bonaparte absicherte. In der Hoffnung, dass mit militärischen Siegen über die Fürsten der feudalen Landschaften in ganz Europa nicht nur die Durchsetzung ihrer Parolen des französischen Bürgertums gelingt, sondern dass die Eroberungen auch die für die Prägung der Goldmünzen notwendigen Geldwerte besorgt, setzten sie nach und nach den stofflichen Teil der Moderne, den "Code civil des Français" in Europa durch.

(geänderter Auszug aus dem Vorwort im Manuskript "Ende der Revolutionen")

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Posted by Michael Schwegler at 21:09
Edited on: Mittwoch, 04 März, 2020 9:00
Categories: Vorwort (Buch)