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editiert am 05.03.2021

Magnificat

"Es ist weitaus besser, betrogen zu werden als zu betrügen"


Die Stadt der Frauen

Sie nahm sich vor, "dieses großartige Werk in mehreren Abschriften auf der ganzen Welt zu verbreiten, so teuer das auch kommen möge - der Anfang ist gemacht. Dann wird dieses Buch in allen Ländern besprochen, verbreitet und publiziert werden. Folglich werden es viele tüchtige und energischen Frauen sehen und hören, Frauen aus dieser Zeit und Frauen kommender Zeiten... Christine der Pizan, Le Livre de la Cité des dames, 1405.

Christin de Pizan muss eine wunderbare Frau gewesen sein. Überhaupt spielten Frauen bereits im Hochmittelalter bedeutende Rollen. Nicht erst mit der ersten weiblichen Regentin Blanka von Kastilien war die Marienverehrung in diesen politisch sehr unruhigen Zeiten, in denen vor allem der Kreuzzug gegen die Katharer hervorgehoben werden muss, tragende kulturelle Basis, der auch der utopische Entwurf von Christine de Pizan "Stadt der Frauen" letztlich geschuldet ist: Reinheit und Wahrheit. Diese Frauen faszinieren. Enstanden aber ist ein primitiver Männerkult. Familiengräber sollten mit dem Namen der Frau geziert werden. Die Frauen, die "Leben Gebenden", sollten immer an der Spitze eines Gemeinwesens stehen.

Sie stehen dort nicht. Dort steht der Mann, der heute Weltgeist und sittlich verkommen ist. Die Frauen demütigt er zu Mätressen und den Mann demütigt er, es ihm gleichzutun. Die Abschaffung des Weltgeists, das sind wir allen Menschen, vornehmlich aber den Frauen, schuldig. Die Kultur der Marienverehrung sollte völlig unabhängig von einem christlichen Glauben und allein im Wissen, dass wie Eva auch Maria Symbole des menschlichen Lebens sind, eine Frauenverehrung wieder beleben.

Es ist kaum bekannt, dass im Hochmittelalter Frauen eine bedeutende Rolle im gesellschaftlichen Leben innehatten. Das kulturelle Schaffen der Frauen in der Zeit zwischen 1100 und 1500 sollte einmal im Besonderen aufgearbeitet und vielleicht an dieser Stelle in Musik, Bild und Texten dargestellt werden. Eine Linie vielleicht, die von Hildegard von Bingen über Blanca de Castilla bis hin zu Christine de Pizan in das Zeitalter der Reformation führt.

Die Marienverehrung, die für viele kulturschaffenden Frauen wie Christine de Pizan bedeutsam war, führt bis in unsere Tage und Organisationen wie die Schönstadt-Bewegung sind unabhängig von gesellschaftlich tiefgreifenden Veränderungen unserer Zeit noch immer aktiv und bewahren für junge Menschen eine Ruhe, die selten, aber zunehmend notwendig geworden ist. Natürlich ist die "Heilige Familie", die gerade in der Schönstadt-Bewegung sehr betont vorgetragen wird, sehr kritisch zu betrachten. Für die Kinder- und Jugendlichen ist sie mit der klaren Betonung von Maria als Mutter Gottes aber noch am ehesten geeignet, vom protestantischen Kult eines gnädigen Götzen abzulenken und führt den Jugendlichen in eine Welt des Vertrauens ein. In dieser Bewegung gibt es keinen Vertrag zwischen Leitenden und Geleitende, da herrscht allein das Vertrauen. Ein Vertrag zwischen sozial, körperlich und geistig Ungleichen gleicht einem Verbrechen. Den Vertrag haben sie heute bereits in den staatlichen Schulen eingerichtet, so dass die Unterdrückung des Menschen bereits das Kind als natürlich, weil in Rechtsform verfasst, Anerkennung finden soll. Schon die Kinder sollen in die Rechtsphilosophie eines Alfredo Roccos spielend lernend eingeführt werden, in die Totalität des bürgerlichen Rechts.

Retten wir auch für diese Kultur mit einem politischen Systemwechsel die Natur insgesamt, damit unsere Urenkel die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft einmal umkehren können und an die Vorbilder wie Christine de Pizan, Tammaso Campanella und Thomas Morus eigene, jetzt aber konkrete gesellschaftliche Entwürfe anschließen lassen können. Beendet die Schulen staatlicher Bevormundung, schafft freie Schulen, schafft wo es geht die Verträge gerade im Zusammenhang mit Bildung ab, die heute in hohem Maße Eingang in die staatliche Schulen gefunden haben; schafft liebliche Stätten der Menschlichkeit, so dass diese auserlesenen Schriften nach über 600 Jahren noch gelesen und verstanden werden können und wieder zum Bestandteil einer zu neuem Leben erweckten Kultur werden kann. Schafft die Berufsvorbereitung an Schulen ab. Die ohnehin immer kürzer werdende Zeit durch allerlei Ramsch, der nicht sofort wieder aus der Welt geschafft werden kann, wird vollumfänglich zum Lernen der Kinder und Jugendlichen gebraucht. Digitale Lernsysteme, selbst ein Taschenrechner gehört nicht an eine Schule. Eine Tafel, ein Tisch, ein Stuhl, Bücherregale und viel frische Luft, ein Raum von der Sonne durchflutet, reicht allemal. Ab den Mittelstufen sollte eine polytechnischen Bildung die Schülerinnen und Schüler in eine Gesellschaft einführen, die jenseits der Vorherrschaft von politischen Parteien den bestehenden Parallelwelten gerecht wird. Kopf und Hand sollten gleichermaßen ausgebildet werden und allein schon deshalb, um den wachsenden Einfluss der Dienstleister zurückdrängen zu können.

Geschichten wie die von Rousseau in seinen Erinnerungen niedergeschriebene Marion sollten zur Grundlektüre immer hinzugezogen werden, um die Zusamenhänge von theoretischen Schriften praktisch besser verstehen zu können. Marion war im Gegensatz zu Christine von unterstem Stand und Rousseau hätte sie nie besitzen können. Auch sie gehört zu den Frauen, die viel wichtiger sind als die Männer, die von unterstem Stand erzogen heute meinen, die Machtfrage stellen zu müssen. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, dass dieser Bazillus, der die Pest noch als weltweite Pandemie am Leben hält, mit Nährlösungen ganz hartgesottener Paulaner versorgt wird. Diese sind unter den römisch-katholischen Päpsten und Bischöfen sowie unter katholischen faschistischen Ideologen wie bei diesem Carl Schmitt und bei den Protestanten sowieso, immer auszumachen. Willfährige Helfer dieses im Niedergang befindlichen und deshalb besonders gefährlichen bürgerlichen Herrschaftssystems. Lest den Kindern von der Stadt der Frauen vor; die verstehen das und malen eigene Bilder von dieser Stadt. Ihr werdet staunen. Aber bitte haltet die Smartphones und Netbooks von ihnen fern; besorgt Kinderbücher und noch besser, lasst sie Lesen lernen durch Schreiben.

Sobald sie ins Jugendalter eintreten, führt sie in Netzwerke ein, die sich bewährt haben und die taugen, dass sie die Hand langsam loslassen und sich selber eine Welt des Vertrauens aufbauen, in der sie, autonom geworden, die dann noch hoffentlich bestehende wundervolle Natur begreifen können. Falls sie nicht mehr da ist, werden diese Jugendlichen sie wieder selber erschaffen.

Diese Menschen werden einmal die Grabstätten der Familien immer nach dem Namen ihrer Mutter benennen.