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Vom Zyklon B zum CO2

Sie bereiten die Sprengung des unvollendeten Turmbaues" vor.

Zum ersten Mal sah Pier Paolo Pasolini die zwei jungen Männer mit langen Haaren in Prag. Das war in den 1960er Jahren und das ist inzwischen lange her. Die Folgen aber sind gegenwärtiger denn je. Hätte er die jungen Männer angesprochen und sie gefragt, was ihr Anliegen, das sie mit ihren langen Haaren hier ausgerechnet im sozialistisch geprägten katholischen Prag denn sei und weshalb sie hier mit langen Haaren herumzulaufen, so dass die Einheimischen beim Vorbeigehen sie fast anstarrten mussten, vielleicht hätte er sogar erfahren, weshaln die ersten sich bei diesem Anblick sogar bekreuzigten. Pier Paolo hätte von diesen jungen Langhaarigen vielleicht ihm, dem scheinbar Aufgeklärtem über Vietnam erzählt oder von diesem Zyklon B im eigenen Land und nicht unweit auch von Prag, von dem sie erst erfuhren, als sie ihre Väter und Mütter streng ins Gebet nahmen. Aber Pier Paolo Pasolini blieb wie die Anderen, die mit ihm in einer alten gemütlichen Hotelhalle saßen, stillschweigender Zuschauer. So dass auch die beiden, wie übrigens er auch mit den anderen Glotzenden, kein Wort miteinander sprachen. Anders aber formulierte er schriftli unter seinen strengen Augen, was diese wohl gesprochen hätten. "Ihr Schweigen war streng funktional", schrieb Pasolini und spätestens als er ihnen das stillschweigend unterstellte, hätte er aufstehen und schriftlich bereuen können, weshalb er sie damals nicht zur Rede stellte: Sei kein Zuschauer.

Wir könnten heute nach Prag fahren und würden sie nicht mehr antreffen. Heute haben sich die Haare der mobilen Reisenden und selbst der Einheimischen dort auffallend verändert. Sie sind sich alle ähnlich geworden und die ersten hätte man heute in der inzwischen topmodern renovierten Empfangshalle des alten Hotels von damals mit regenbogenfarbigen Haaren sehen können, die vermutlich Anderes als die stillen Botschaften der 1960er Jahre ausdrücken. Sie gehen alle ihren synodalen Weg, obwohl die Meisten heute nicht mehr genau wissen, was ein synodaler Weg Unheil bedeutet. Die künstlichen Farben der Haare haben sich seit den Tagen von Prag verändert und zeugen von einem absoluten Verrat, der sogar gemessen, aber von diesen neuen Erdenbewohnern nicht ernst genommen wird: Sie folgen allein den Konventionen.

Pasolini hat das Apostolat der Postmoderne früh erkannt. Es muss übersetzt werden, er war ein Friauler. Er war Lehrer in Casara und wurde ermordet. Keiner sollte bei ihm mehr lesen; er war schwul.

Hervorragend und einzigartig ist sein Werk von 1964, das mit dem 1. Evangelium nach Matthäus an die Verräter der 1. Generation nach 1945 gerichtet war. Er wollte dem Matthäus ein Werk über den "heiligen Paulus" folgen lassen, fand jedoch keinen Filmproduzenten, der diese Werk unterstützen wollte. Damit hatte er das Glück, zu früh geboren zu sein.

Pasolini hätte mit dem "heiligen Paulus" seinen Matthäus mit dem Mörder Paulus, der immer ein Saulus blieb und den er gemäß der Tradition der römisch-katholischen Kirche konform "heilig" genannt und mit diesem Drehbuch in persönlich ebenfalls heilig gesprochen hätte, versöhnt. Auch er, der zu früh Geborene, wäre selber zum Verräter geworden.

Ob die Widmung an seine Heiligkeit Papst Johannes XXIII bereits einen Verrat darstellte oder die absolut naive Darstellung der wundersamen Brotvermehrung kann nicht ausgemacht werden. Aber dieser Pasolini, der ansonsten über das Wissen um die Kraft der Symbole weiß, hätte diese Szene wahrhaftig drehen können: Jesus sprach: ‚Gebt ihr ihnen zu essen!‘“ – Mk 6,37 EU und sie gingen hin und verteilten die wenigen Brote und die Fische an die ersten, die zum Berg gekommen waren. Das sahen auch die vielen anderen, die den weiten Weg ebenfalls auf sich genommen haben und selbstverständlich wussten, dass sie nach Stunden auch hungrig werden; das waren Menschen! Die öffneten jetzt ihre Taschen und aßen mit denen, die das erste Brot und den ersten Fisch von den Jüngern bekamen und alle wurden satt.

So hofft auch der Autor von endederrevolutionen, dass im Jahr 2025 diese wundersame Brotvermehrung stattgefunden hat und das Netzwerk der Erststimmen eine neue Zeit einläutet, eine Zeit auf dem Weg der Befreiung von allem Politischem mittels der Wahl von 298 Direktkandidatinnen und -kandidaten aus dem Netzwerk der Erststimmen.

Verrätern, Mördern kann der Einzelne vergeben, verzeihen auch, niemals aber kann er sich mit ihnen versöhnen und egal, welche Motive sie gehabt haben. Dass sein heiliger Paulus "hier, heute, unter uns" ist, spricht nach fast 2000 Jahren diesen ursprünglich unversöhnlichen Radikalen überraschend schuldig. Dem Konformismus, den er sein Leben lang bekämpft hat, ist er zuletzt mit diesem Drehbuch "Der heilige Paulus" selber erlegen. Er war nie katholisch. Er huldigte lediglich der römisch-katholischen Kirche und schämte sich seiner Homosexualität, die mit dem Katholizismus nichts zu tun hat. Letztendlich war er doch Konformist. So war es nicht überraschend, dass er heute im Postfaschismus zum Thema einer Talkshow taugen konnte und im krassen Gegensatz etwas eines Werkes wie "Vom Geist der Gesetze" das Montequie geschrieben hat und sofort von der römisch-katholischen Kirche auf den Index gesetzt wurde, empfahl die römisch-katholische Kirche sein Werk über das "1. Evangelim nach Matthäus.

Er sei auferstanden: "Und siehe, ich bin bei euch bis ans Ende der Welt." Diese letzten Worte von Matthäus hat er nicht verstanden obwohl er wusste, dass viele Jahre später, als der Leib Jesus von Nazareth - und ob er wirklich gelebt hat ist unwichtig - längst wieder zu Staub geworden war, ein typischer Schreibtischtäter kam. Der Jude Saulus verstand es, politisch den Tod Jesus von Nazareth für seine persönliche Karriere zu nutzen. Ein Mörder und Christenverfoler, der behauptete ihm, dem Gekreuzigten Jesus, begegnet zu sein. Dieser Saulus nannte sich danach Paulus, um als Mörder nicht mehr eindeutig erkannt zu werden. Pasolini glaubte an diese persönliche Wandlung, wie die westliche Wertegemeinschaft an ihre Mörder glaubt und die Menschen jenseits ihrer Gemeinschafft gerade heute allein zu den Mördern zählt, die ihnen nicht glauben.

Für jeden friedfertigen Menschen ist dieser Nazarener Vorbild "bis ans Ende der Welt" und da darf ein Verräter einfach keinen Platz haben.